Agrar- und Lebensmittel Konzernatlas-Herausgeber wollen Marktmacht begrenzen

Wenige Konzerne beherrschen den weltweiten Agrar- und Lebensmittelsektor. Das zeigt der neue so genannte Konzernatlas 2026. Die Herausgeber warnen vor wachsender Marktmacht und fordern politische Gegenmaßnahmen.

Donnerstag, 08. Januar 2026, 12:06 Uhr
Thomas Klaus
Preise im Supermarkt staatlich beobachten? Auch das ist eine Forderung der Herausgeber des Konzernatlasses. Bildquelle: Getty Images

Wenige Konzerne beherrschen den Agrar- und Lebensmittelsektor weltweit. Das zeigt der „Konzernatlas 2026“, den die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und der Dachverband Kritische Aktionärinnen und Aktionäre veröffentlicht haben. Die Herausgeber warnen vor den Folgen der starken Marktkonzentration und fordern politische Instrumente, um die aus ihrer Sicht vorhandene Macht der dominanten Konzerne einzudämmen.

Vier große Ketten werden immer einflussreicher

Weltweit kontrollieren jeweils nur vier Konzerne 61 Prozent des Pestizidmarkts, 56 Prozent des Saatguts und 43 Prozent der Landmaschinen, so die Herausgeber. In Deutschland beherrschen demnach die vier großen Supermarktketten Aldi, Edeka mit Netto, Rewe mit Penny und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland inzwischen rund 88 Prozent des Lebensmittelhandels. 1995 lag dieser Anteil noch bei 55 Prozent. Gleichzeitig schrumpfte die Zahl der Handwerksbäckereien in Deutschland seit 1950 um fast 60 Prozent, während nach Darstellung der Herausgeber wenige Großbetriebe drei Viertel des Umsatzes kontrollieren. Hinter vielen Bäckereifilialisten, die auf den ersten Blick wie familiengeführte Handwerksbäckereien wirkten, steckten längst Private-Equity-Gesellschaften und Handelsketten, insbesondere Edeka. 

Behauptet wird: Die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne weltweit stoßen zusammen so viele Treibhausgase aus wie Ölkonzerne vom Kaliber BP oder Shell. Angeblich lobbyierten sie gegen umfangreiche Berichtspflichten über ihre Emissionen.

Heinrich-Böll-Stiftung fordert unabhängige Preis- und Margenbeobachtungsstelle

„Je stärker sich Märkte konzentrieren, desto mehr profitieren in Krisenzeiten wenige große Konzerne, während bei vielen Agrarbetrieben kaum etwas ankommt“, sagte Vorständin Imme Scholz von der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Monopolkommission bestätige für Deutschland, dass sich die Preisaufschläge zunehmend weg von der Landwirtschaft hin zur verarbeitenden Industrie und zum Lebensmitteleinzelhandel verlagert hätten. Um Landwirte, Arbeiter und Verbraucher besser zu schützen, brauche es eine unabhängige Preis- und Margenbeobachtungsstelle sowie ein konsequentes Vorgehen gegen unfaire Handelspraktiken.

Der Konzernatlas wirft den Supermärkten zu wenig Transparenz vor. Sie seien nicht börsennotiert und müssten keine Rechenschaft gegenüber Aktionären ablegen. Auch ihre Margenkalkulation bleibe im Dunkeln. 

Russau: Marktbeherrschende Konzerne notfalls aufspalten

Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, forderte eine Agrarpolitik, die Umweltleistungen bezahlt, und klare Regeln gegen Marktmacht. „Das Problem sind nicht die Höfe, sondern ein System, in dem wenige Konzerne Produktionsweisen und Preise diktieren und ökologische Folgekosten auslagern“, so Bandt.

Christian Russau, Vorstandsmitglied des Dachverbands Kritische Aktionärinnen und Aktionäre, kritisierte den massiven politischen Einfluss der Agrarkonzerne. Neben mehr Transparenz bei der politischen Einflussnahme forderte er die Anwendung des Kartellrechts, um marktbeherrschende Konzerne notfalls aufzuspalten.

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