Silvester-Bilanz Pyrotechnik-Verband nimmt sich Politik und Umweltschützer vor

Die Silvesternacht war von zahlreichen Zwischenfällen mit illegal in Verkehr gebrachten oder selbstgebauten Sprengkörpern überschattet. Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (BVPK) wirft Politik und Behörden Versagen vor. Zugleich greift er die Deutsche Umwelthilfe (DUH) an.

Freitag, 03. Januar 2025, 10:37 Uhr
Thomas Klaus
Dass die Silvesternacht negative Begleiterscheinungen hatte, ist unstrittig. Aber über die Konsequenzen sind sich BVPK und DUH nicht einig. Bildquelle: Getty Images

In Deutschland kamen fünf Menschen durch illegal in Verkehr gebrachte oder selbstgebaute Sprengkörper ums Leben. Außerdem wurden zahlreiche Personen zum Teil schwer verletzt und hohe Sachschäden angerichtet.

Gut ausgestattete Behörden sollen endlich einschreiten

Vor diesem Hintergrund hat Vorstandsmitglied Ingo Schubert vom Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (BVPK) der Politik und den Behörden Versagen vorgeworfen. Schubert: „Es ist ein Skandal, wie einfach gefährliche und illegale Laborate in Deutschland online zu beziehen sind. Die Produkte werden meist aus dem europäischen Ausland geliefert. Sie sind mitunter lebensgefährlich und nicht mit Silvesterfeuerwerk zu vergleichen.”

Die Politik habe darauf zwar jüngst mit drastischen Strafrechtsverschärfungen reagiert. Aber aus den Bundesländern sei zu hören, dass die Ressourcen etwa bei den Landeskriminalämtern nicht ausreichten, um den illegalen Handel angemessen zu verfolgen.

Schubert bezeichnet die Silvesternacht als „politischen Skandal“. Statt „symbolpolitischer Gesetzgebungskosmetik“ müsse das Problem mit gut ausgestatteten Behörden angegangen werden.

BVPK will Kinder und Jugendliche aufklären

Neben Engagement von Politik und Behörden mahnt der Bundesverband für Pyrotechnik Präventionsmaßnahmen rund um illegale Explosivstoffe an. Schubert sagt: „Solange die Politik nicht verhindert, dass gefährliche Sprengkörper illegal aus dem Ausland importiert werden, sollte sie zumindest Kinder und Jugendliche über die Gefahren aufklären.”

Bei einem Präventionsprojekt zur Sensibilisierung gegenüber illegalem Feuerwerk unterstützte der BVPK im vergangenen Jahr die Berliner Feuerwehr und den Sozialarbeitsträger Outreach gGmbh. Der Verband will dieses Konzept 2025 ausbauen und überregional verankern.

BVPK: DUH handelt verantwortungslos

An die Adresse der Deutschen Umwelt-Hilfe (DUH) und ihres Bündnisses für ein Böllerverbot richtet sich der BVPK-Vorwurf der „Verantwortungslosigkeit“. Grund: „Wer gefährliche Basteleien und den rechtswidrigen Umgang mit gefährlichen Explosivstoffen mit sicherem Kleinfeuerwerk in Verbindung bringt, verwechselt Äpfel mit Birnen. Betroffene von Unfällen durch gefährliche Explosivstoffe für ein Verbot von legalem und sicheren Feuerwerk zu instrumentalisieren, ist bestenfalls pietätlos.”

Ingo Schubert betont: „Zum Jahreswechsel kommt Kleinfeuerwerk der Kategorie F2 zum legalen Verkauf. Dieses ist streng geprüft und handhabungssicher.“ Schwere Verletzungen seien selbst bei unsachgemäßer Verwendung praktisch ausgeschlossen. Dafür sorgten starke Begrenzungen der enthaltenen Pulvermenge und eine strenge Prüfung und Zertifizierung, etwa durch die Bundesanstalt für Materialprüfung und –forschung (BAM).

DUH sammelt Unterschriften für Böller-Verbot

Die DUH hat unterdessen bekräftigt, dass nach ihrer Ansicht der Verkauf und die Benutzung von Pyrotechnik durch Privatpersonen an Silvester verboten werden sollte – „so wie es im gesamten Rest des Jahres ohnehin bereits gilt“. Ein Offener Brief an das Bundesinnenministerium sei bereits von 375.000 Menschen unterschrieben worden.

DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch fügt hinzu: „Erneut ist der Jahreswechsel für zahllose Menschen zu einer Nacht des Grauens geworden.“ Von den Toten, Verletzten und Sachschäden abgesehen, gelte: „Viele Vorerkrankte konnten durch die extreme Luftverschmutzung vor allem im Süden Deutschlands ihre Wohnung nicht verlassen und zahllose Menschen haben zuhause mit ihren panischen Tieren gelitten. Wir können nicht länger hinnehmen, dass all diese Menschen jedes Jahr aufs Neue so leiden.“

Insgesamt sind mittlerweile 35 Organisationen Teil des DUH-Bündnisses für ein Böller-Verbot, darunter die Bundesärztekammer, der Deutsche Naturschutzring, die Gewerkschaft der Polizei und die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland.

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