Ferm Labs hat drei Millionen Euro eingesammelt und will so seine Deep-Tech-Plattform für natürliche Geschmacks- und Funktionsträger im globalen 45-Milliarden-Markt für Clean-Label-Zutaten skalieren.
Die erste echte Finanzierungsrunde, eine sogenannte Seed-Runde, wird von CDP Venture Capital als Lead-Investor angeführt und von Fund F, Redstone (in Kooperation mit Euregio+ und Alpine VC) sowie der Loacker Group komplettiert. Das frische Kapital ist für drei Kernbereiche gedacht: den Ausbau der Bioprocessing-Anlagen in Südtirol, die Skalierung der europäischen B2B-Vertriebsmannschaft und die Aufstockung des Forschungs- und Entwicklungsteams für neue Produktkategorien.
Produkt Kokumesan als zentraler Treiber
Zentraler Treiber der Finanzierung ist die Markteinführung des Produktes Kokumesan. Es zielt auf den 68 Milliarden Euro schweren Markt für industrielle Käseanwendungen in den USA und Europa ab. Die milchbasierte Zutat liefert nach Darstellung von Ferm Labs ein echtes Reifekäse-Aroma. Außerdem würden die Herstellungskosten in den Fabriken drastisch gesenkt.
Die Cost-in-Use-Einsparung betrage 75 Prozent; der teure Rohkäse-Anteil in Rezepturen werde von 20 Prozent auf unter 1 Prozent verringert – und das ohne Geschmacksverlust. Eine Cost-in-Use-Einsparung beschreibt die Gesamtkosten, die bei der Nutzung eines Produktes entstehen und zeigt, wie ein alternatives Produkt diese Kosten senkt.
Ferm Labs benennt außerdem die maximale Prozessstabilität als großen Vorteil. Der Fett- und Salzanteil werde reduziert. Das verbessere das Verarbeiten in den Anlagen und verlängere die Haltbarkeit signifikant.
Ferm Labs beendet ein Dilemma
Zum Hintergrund der Investitionen erläutert Ferm Labs: Die Lebensmittelindustrie habe bisher vor der Wahl gestanden, ob sie billige synthetische Zusatzstoffe oder langsame, extrem teure Naturzutaten verwenden wolle. Dieses Dilemma werde nun beendet.
Durch die gezielte Steuerung gentechnikfreier Mikroben beschleunigt die Plattform von Ferm Labs die Fermentation von Wochen auf Stunden, so die eigene Darstellung. Das High-Yield-System veredele Nebenströme der Agrarwirtschaft zu hochpotenten Kokumi-Peptiden – und liefere hoch stabile, clean-label Geschmackspasten und -pulver komplett ohne E-Nummern, Fettzusätze oder hohe Natriumwerte.
Lüpold: Ära der Geschmacks-Kompromisse vorbei
„Wir haben die Gesetze der industriellen Geschmackskinetik schlichtweg neu geschrieben“, erklärt Mattia Baroni, CTO und Mitgründer. „Indem wir Fermentationstempo und Ausbeute massiv steigern, eliminieren wir den Preisaufschlag natürlicher Zutaten – bei voller Geschmacksintensität und unschlagbaren Einsatzkosten.“
„Die Ära der Geschmacks-Kompromisse ist offiziell vorbei“, fügt Stephanie Lüpold, CEO und Mitgründerin, hinzu. „Kokumesan beweist, was unsere Plattform im Käsesektor leisten kann, aber das ist erst der Anfang. Wir bauen eine kategorienprägende B2B‑Zutaten-Engine auf – und treiben die nächste Ära natürlicher Lebensmittel an, indem wir Deep-Tech-Bioprocessing mit kompromisslosem Geschmack skalieren.“