Deutsche Hopfenpflanzer stehen vor Mindereinnahmen von 80 bis 100 Millionen Euro in diesem Jahr. Dies teilte der Verband Deutscher Hopfenpflanzer mit. Die gut 900 Betriebe erwirtschaften üblicherweise Umsätze von rund 300 Millionen Euro, wie Verbandspräsident Adi Schapfl erklärte. „Nach mittlerweile vier Jahren mit entweder schlechten Ernten oder schlechten Preisen oder sogar beidem gleichzeitig stehen viele unserer Familienbetriebe heute vor sehr großen wirtschaftlichen Problemen“, sagte Schapfl.
Mehrere Faktoren belasten die Branche. Der Bierkonsum sinkt in vielen Ländern, was zu weltweiten Überkapazitäten im Hopfenanbau führt. Daran ändert auch der Rückgang der Anbaufläche bislang nichts, wie der Verband mitteilte. Die Ernte fällt in diesem Jahr nach Prognose des Verbands mit voraussichtlich knapp 33.800 Tonnen schlecht aus. Das entspricht einem Rückgang von über 9.000 Tonnen oder 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Klimawandel setzt den Betrieben zu. „Das Jahr 2026 hat uns leider wieder einmal drastisch vor Augen geführt, dass der Klimawandel enorme, ja existenzielle Schwierigkeiten verursachen kann“, sagte Schapfl den Angaben zufolge. Zudem haben mehrere Dutzend Betriebe aufgegeben, wodurch die Anbaufläche zurückging. Der Verbandspräsident fordert eine staatliche und europäische Förderung für den Ausbau der Bewässerung. „Das sehr strapazierte Wort ‚alternativlos‘ muss hier verwendet werden“, zitierte der Verband Schapfl.
Barth Haas erwartet weitere schwierige Jahre
Deutschland ist nach Angaben Schapfls weltgrößter Hopfenproduzent. Mehr als ein Drittel des global angebauten Hopfens wächst in der Bundesrepublik, gefolgt von den USA und Tschechien. Die Anbaufläche beläuft sich in diesem Jahr auf knapp 18.000 Hektar. Bedeutendstes Anbaugebiet ist die bayerische Hallertau. Der Großteil des deutschen Hopfens geht in den Export.
Der Hopfenhändler Barth Haas aus Nürnberg rechnet für die kommenden Jahre mit weiter schwierigen Zeiten für Hopfenpflanzer weltweit. „Die momentane Anbaufläche führt bei durchschnittlichen Erträgen zu einem Überangebot an Hopfen, sodass weitere Flächenreduzierungen notwendig sind, um Angebot und Nachfrage wieder in Einklang zu bringen“, sagte Geschäftsführer Thomas Raiser. Das Unternehmen rechnet in ganz Europa mit einer unterdurchschnittlichen Ernte aufgrund von Hitze und Trockenheit in der Wachstumsphase. Die Auswirkungen für die Hopfenpflanzer und -vermarkter seien eher negativ, da geringere Erlöse und reduzierte Inhaltsstoffe daraus folgten.