Weine im Kabinett-Stil aus Deutschland erfreuen sich nach Einschätzung von Branchenvertretern wachsender Beliebtheit – auch international. Allerdings spiegelt sich der Trend bislang nur teilweise in den Verkaufszahlen wider.
Kabinett-Weine zeichnen sich durch vergleichsweise niedrige Alkoholgehalte von rund zehn Volumenprozent und eine feinherbe Fruchtsüße aus. Damit passten sie zum globalen Trend hin zu bewussterer Ernährung, sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Besonders in China wachse die Nachfrage nach diesem Weintyp: „In China beispielsweise wachsen die Importe deutscher Weine insbesondere dank dieses Weintyps der Sorte Riesling gegen den Trend“, so Büscher. Mit konkreten Zahlen lasse sich das allerdings noch nicht belegen.
Auch im Inland sehen Fachleute eine steigende Nachfrage. Der Verband Rheinhessenwein aus dem größten deutschen Anbaugebiet sprach von einem eindeutigen Boom. Jürgen Bähr vom Weinhaus Bärenhof im pfälzischen Bad Dürkheim-Ungstein berichtete, er verkaufe mehr als doppelt so viele Kabinett-Weine wie Spätlesen – mit steigender Tendenz. „Das Wort Kabinett ist bei vielen Kunden bedeutend positiver belegt, als zum Beispiel die Spätlese oder sogar Auslese“, sagte Bähr den Angaben zufolge.
Moselwein verzeichnet fast doppelt so hohen Kabinett-Anteil wie vor zehn Jahren
An der Mosel lässt sich der Trend an den Zahlen der amtlichen Qualitätsweinprüfung ablesen. Der Anteil von Kabinett-Weinen an der Produktion stieg dort laut Ansgar Schmitz, Geschäftsführer von Moselwein, von 5,3 Prozent vor zehn Jahren auf 9,2 Prozent im Jahr 2025, bezogen auf die Erntemenge 2024. Insgesamt seien 2025 in Deutschland rund 17 Millionen Liter Wein mit dem Prädikat Kabinett auf ihre Qualität geprüft worden, was seit einigen Jahren etwa 3 Prozent aller Qualitäts- und Prädikatsweine entspreche, so Büscher.
Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter relativierte den Trend jedoch. Zwar seien Kabinett-Weine derzeit in aller Munde, in den Verkaufszahlen schlage sich dies aber bisher nicht deutlich nieder. Auch die Produktionsmenge entspreche 2026 in etwa der des Vorjahres. Der Verband sprach von einem „gefühlten Trend“.
Kabinett ist die niedrigste der sechs deutschen Prädikatsweinstufen und ein gesetzlich geschützter Weintyp, der unter anderem ein bestimmtes Mindestmostgewicht voraussetzt und bei dem eine Zuckerung vor der Gärung verboten ist. Büscher bezeichnete die Kabinett-Weinstilistik als Alleinstellungsmerkmal deutscher Kellereien, da sie sich besonders gut in der nördlichen Klimazone erzeugen lasse.
