Der Campari-Konzern wehrt sich in Italien gegen Bars und Restaurants, die statt des Originals Aperol-Nachahmungen ausschenken. Dazu hat das Unternehmen erstmals ein „Treueprogramm“ für Gastronomen auf seinem Heimatmarkt gestartet.
Aperol wichtigster Campari-Umsatzbringer
Mehr als 2.000 Gaststätten nehmen demnach bereits an dem Programm „Aperol Spritz: L'originale“ teil. Die teilnehmenden Wirte verpflichten sich, für ihren Aperol Spritz tatsächlich das Originalprodukt zu verwenden. Im Gegenzug erhalten sie Werbematerial, Schulungen für Barkeeper und ein Zertifikat für die Eingangstür. Gestartet wurde das Programm in Padua, wo die Brüder Luigi und Silvio Barbieri den Aperitif 1919 erfunden hatten.
Hintergrund ist laut dem Geschäftsführer der Aperitif-Sparte, Andrea Neri, dass zahlreiche Lokale „orangefarbene Getränke servieren, oft vom Fass, die nicht unbedingt mit Aperol hergestellt werden“.
Aperol ist der wichtigste Umsatzbringer des Campari-Konzerns und erzielte weltweit einen Umsatz von 785 Millionen Euro. Der Gesamtumsatz des Konzerns lag den Angaben zufolge bei 3,05 Milliarden Euro.
Campari sieht Deutschland als strategisch wichtigsten Markt
Auch in Deutschland spielt die Marke eine zentrale Rolle. „Deutschland ist seit vielen Jahren einer der strategisch wichtigsten Märkte für Aperol“, sagte Neri. Eine Ausweitung des Treueprogramms auf den deutschen Markt stehe derzeit allerdings nicht an. Hierzulande sieht sich Campari mit Konkurrenz durch deutlich günstigere Eigenmarken der großen Handelsunternehmen konfrontiert: Aldi, Lidl und Penny bieten Bitter-Aperitifs unter Namen wie Apice oder Bitterol an, die etwa halb so viel kosten wie das Original. Auch Edeka und Rewe führen preisgünstigere Alternativen in ihrem Sortiment, die dem Original auch optisch ähneln.
Auf juristischem Weg versucht Campari zudem, seine geschützte Marke international zu verteidigen. So entschied das EU-Amt für geistiges Eigentum, dass ein konkurrierendes Bittergetränk nicht unter dem Namen „Aperbitter“ verkauft werden darf. Gegen Eigenmarken wie „Bitterol“ konnte sich der Konzern hingegen nicht durchsetzen. Campari-Manager Neri kommentierte die Nachahmungen zurückhaltend: Das Vorhandensein solcher Produkte sei „in erster Linie eine Bestätigung für den Erfolg der Kategorie“. Man setze auf die „Markentreue“ der Deutschen.