Insolvenzen in Deutschland Zahl der Firmenpleiten steigt auf höchsten Stand seit 2013

Im ersten Halbjahr 2026 meldeten rund 12.900 Unternehmen Insolvenz an – fast 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stark traf es große Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Creditreform erwartet eine Stabilisierung frühestens 2027.

Mittwoch, 24. Juni 2026, 09:30 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Laut Creditreform stehen durch die Firmenpleiten im ersten Halbjahr rund 165.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Bildquelle: Getty Images

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 auf den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren gestiegen. Nach Hochrechnungen der Auskunftei Creditreform meldeten bis Ende Juni rund 12.900 Unternehmen Insolvenz an – fast 8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Einen höheren Wert gab es zuletzt in den ersten sechs Monaten des Jahres 2013 mit damals 13.310 Fällen.

„Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht“, sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch, laut einer Mitteilung der Auskunftei. Eine Stabilisierung erwartet er frühestens 2027, wenn die Wirtschaft wieder spürbar wachse. Für das laufende Jahr rechnen Ökonomen nur mit einem minimalen Wachstum, zumal die Folgen des Iran-Kriegs den erhofften Aufschwung bremsen.

Hohe Energiepreise, zurückhaltende Verbraucher und bürokratische Belastungen setzen den Unternehmen nach Einschätzung von Creditreform zu. Die meisten Insolvenzen entfielen mit fast 7.900 Fällen auf den Dienstleistungsbereich, zu dem auch die Gastronomie gehört. Einen besonders starken Anstieg der Pleitezahlen um 28,6 Prozent verzeichnete die Auskunftei bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Betroffen waren unter anderem der Hotelbetreiber Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und der Spielwarenhändler Rofu Kinderland. Auch junge Unternehmen traf es hart: 1.140 Gründerinnen und Gründer gaben innerhalb von zwei Jahren nach dem Start auf – ein Anstieg um gut 25 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. „Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen“, so Hantzsch.

Creditreform sieht 165.000 Arbeitsplätze in Gefahr

Creditreform schätzt, dass infolge der Insolvenzen im ersten Halbjahr rund 165.000 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, nach 143.000 im Vorjahreszeitraum. Die geschätzte Schadenssumme lag den Angaben zufolge mit 28,5 Milliarden Euro allerdings etwas unter dem Vorjahreswert von 31,2 Milliarden Euro.

Auch bei Privathaushalten steigt die Zahl der Insolvenzen weiter. Im ersten Halbjahr 2026 zählte Creditreform 38.800 Verbraucherinsolvenzen, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus als in den beiden Vorjahren. Die Auskunftei verwies darauf, dass der Arbeitsmarkt trotz zunehmenden Stellenabbaus im verarbeitenden Gewerbe noch weitgehend stabil sei. Amtliche Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen den Trend: Im Gesamtjahr 2025 rutschten demnach 24.064 Unternehmen in die Insolvenz – so viele wie seit 2014 nicht. Bereits 2023 und 2024 hatte die Zahl der Firmenpleiten deutlich zugenommen, nachdem die staatlichen Hilfen aus der Corona-Pandemie ausgelaufen waren.

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