Pflanzliche Proteine Sachsen-Anhalt will mit der Erbse den Strukturwandel vorantreiben

Forscher und Unternehmen in Sachsen-Anhalt bauen den Anbau von Erbsen aus und entwickeln neue Produkte für den wachsenden Markt pflanzlicher Lebensmittel. Ein mit 105 Millionen Euro gefördertes Verbundprojekt soll im Zuge des Kohleausstiegs eine Modellregion für Bioökonomie schaffen. Doch der Anbau der Hülsenfrucht bleibt schwierig.

Montag, 22. Juni 2026, 09:40 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Erbsenprotein gewinnt für die Lebensmittelindustrie an Bedeutung: In Sachsen-Anhalt sollen neue Anbau- und Verarbeitungsstrukturen die Wertschöpfung rund um pflanzliche Proteine stärken. Bildquelle: Getty Images

Erbsenprotein steckt bereits in zahlreichen Fleisch- und Milchersatzprodukten in deutschen Supermarktregalen. Forscher und Unternehmen in Sachsen-Anhalt wollen nun den Anbau der Hülsenfrucht ausbauen und neue Wertschöpfungsketten rund um pflanzliche Proteine schaffen.

Die Nachfrage nach pflanzlichen Eiweißquellen steigt. Laut dem Ernährungsreport der Bundesregierung bezeichnet sich inzwischen mehr als jeder dritte Deutsche als Flexitarier, konsumiert also wenig Fleisch, fast jeder Zehnte (9 Prozent) lebt vegetarisch oder vegan. In Sachsen-Anhalt wuchs die Anbaufläche für Futtererbsen dem Statistischen Landesamt zufolge im Jahr 2025 auf rund 24.900 Hektar – ein Plus von etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erntemenge erreichte mit rund 76.100 Tonnen den höchsten Stand seit vielen Jahren.

Im Rahmen des Verbundprojekts „Digitalisierung pflanzlicher Wertschöpfungsketten“ arbeiten Wissenschaftler und Unternehmen daran, den Erbsenanbau effizienter zu gestalten und neue Produkte zu entwickeln. Das Vorhaben wird dem Bericht zufolge mit rund 105 Millionen Euro gefördert und soll im Süden Sachsen-Anhalts im Zuge des Kohleausstiegs eine Modellregion für nachhaltige Bioökonomie schaffen. Ein Teilprojekt namens DiPisum widmet sich speziell der Erbse. Beteiligt ist unter anderem das Unternehmen Planteneers, das Zutaten und Rezepturen für pflanzliche Lebensmittel entwickelt. „Dadurch eignet es sich für eine breite Palette an Anwendungen – von Fleisch- und Milchalternativen bis hin zu proteinangereicherten Lebensmitteln“, sagte Jesus Palomino von Planteneers laut dem Bericht über Erbsenprotein.

Leibniz-Institut sucht nach robusteren Erbsenlinien

Der Anbau bleibt allerdings anspruchsvoll. Die Agrarwissenschaftlerin Annette Deubel von der Hochschule Anhalt verwies auf Schwierigkeiten bei Wirtschaftlichkeit und Anbausicherheit: Die Erträge schwanken stark, Krankheiten erschweren den Anbau, und die Vermarktung gestaltet sich nicht immer einfach. Hinzu kommt die sogenannte Bodenmüdigkeit – nach dem Anbau von Erbsen müssen oft mehrere Jahre vergehen, bevor auf derselben Fläche erneut Erbsen wachsen können. Forscher am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben suchen deshalb nach robusteren und ertragssichereren Erbsenlinien. „Wir testen sie nach Qualitäts- und Resistenzparametern, sodass man versucht, die seltenen Gene herauszufischen und neue Variationen zu schaffen“, sagte der Pflanzenforscher Vilson Mirdita vom Leibniz-Institut. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Anpassung an Trockenheit, die in Sachsen-Anhalt häufig schon im Frühsommer einsetzt. Drohnen erfassen auf Versuchsfeldern Daten zu Wachstum und Krankheitsbefall, um geeignete Pflanzen schneller zu identifizieren.

Langfristig erhoffen sich die Beteiligten neue Arbeitsplätze und Unternehmen in der Region – etwa wenn pflanzliche Lebensmittel künftig stärker vor Ort hergestellt werden. Ob die Erbse tatsächlich zu einem wichtigen Baustein des Strukturwandels in Sachsen-Anhalt wird, bleibt jedoch offen.

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