Die hessische Schwälbchen Molkerei hat im Jahr 2025 erhebliche Gewinneinbußen erlitten. Für die Molkereisparte erwartet Vorstandschef Günter Berz-List beim Ergebnis nach Steuern „eine rote oder schwarze Null“, wie er der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Im Vorjahr hatte der Jahresüberschuss noch bei rund 2,8 Millionen Euro gelegen.
Als Hauptgrund nannte Berz-List einen Preisverfall bei Rohmilch. Zudem habe die Konsumflaute angedauert. Der Umsatz der Molkereisparte stieg nach vorläufigen Zahlen von 102 Millionen Euro im Jahr 2024 auf rund 110 Millionen Euro im Jahr 2025. Die Milchverarbeitung kletterte um rund fünf Prozent auf 108 Millionen Kilo.
Besonders belastend wirkte sich aus, dass die Molkerei viel überschüssige Rohmilch auf dem sogenannten Spotmarkt verkaufen musste. Der Preis sei dort auf bis zu 6 Cent pro Liter gefallen, sagte Berz-List. Gleichzeitig habe die Molkerei ihren Milchbauern einen fest vereinbarten Preis gezahlt, der ein Vielfaches über dem Spotmarktpreis des vierten Quartals 2025 gelegen habe. „Das hat keiner kommen sehen“, zitierte die dpa den Vorstandschef.
Blauzungenkrankheit bringt Milchproduktion durcheinander
Den Angaben zufolge gab es 2025 „zu viel Milch zur falschen Zeit“. Grund seien Auswirkungen nach dem Ausbruch der Blauzungenkrankheit gewesen. Die Seuche beeinflusse, wann die Mutterkühe ihre Kälber bekommen und somit die Milchproduktion. Die Kälber seien 2025 tendenziell später geboren worden, dadurch sei ungewöhnlich spät im Jahr viel Milch auf den Markt gekommen. Da nach dem Ende des Hochsommers die Nachfrage schrumpfe, habe dies zu dem Überangebot geführt.
Auch die anhaltende Konsumflaute setzte dem Unternehmen zu. „Geld für Urlaub ist da, für Lebensmittel nicht. Gekocht wird mit preisgünstigen Discountprodukten“, sagte Berz-List laut der Mitteilung. Bei Mengenträgern wie Milch, Sahne, Quark und Joghurt sei dies für die regional starke Marke Schwälbchen spürbar. Der phasenweise kalte und nasse Sommer 2025 habe sich ebenfalls schlecht auf das Geschäft ausgewirkt, etwa beim Absatz von To-Go-Getränken wie Ayran, Kaffee-Milch-Mix oder Dickmilch.
Stabiler entwickelte sich die Lieferdienst-Sparte. Beim Frischdienst erwartet Berz-List ein Ergebnis nach Steuern von knapp unter vier Millionen Euro, nach 4,2 Millionen Euro im Jahr 2024. Der Lieferdienst für Großkunden profitiere davon, dass Homeoffice teils zurückgehe und sich Kantinen mit veränderten Angeboten als „Begegnungsstätten“ neu aufstellten, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz schrumpfte 2025 preisbedingt um rund 6 Prozent auf etwa 110 Millionen Euro.
Die Mitarbeiterzahl stieg konzernweit im Durchschnitt von 374 im Jahr 2024 auf 384 im Jahr 2025. Der konsolidierte Konzernumsatz lag den Angaben zufolge bei 210 Millionen Euro, das Konzernergebnis beträgt nach vorläufiger Einschätzung 2,5 Millionen Euro.