Der Bayerische Bauernverband will die aktuellen Butterpreise vom Bundeskartellamt überprüfen lassen. Der Preisverfall sei nicht nur verantwortungslos, sondern möglicherweise auch unzulässig, teilte der Verband mit. Auch der Deutsche Bauernverband kritisierte die Entwicklung. „Hinweisen auf Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht muss das Kartellamt zwingend nachgehen“, zitierte der Bayerische Bauernverband die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands, Stefanie Sabet, in der Mitteilung.
Bei einem Verbraucherpreis von 0,99 Euro seien die Produktionskosten in der Lebensmittelkette nicht gedeckt – weder bei den Molkereien noch bei den Landwirten, argumentiert der Bayerische Bauernverband. Das werfe Fragen auf, ob Butter zu diesem Preis noch kostendeckend gehandelt oder möglicherweise unter Einstandspreis verkauft werde – ein Vorgehen, das rechtlich unzulässig sein könne, heißt es in der Mitteilung.
In einem Schreiben an das Kartellamt schreibt der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbands, Carl von Butler, sogar von einem dringenden Verdacht, dass ein Verkauf unter Einstandspreis vorliege. „Molkereien und Milchbauern sehen sich dadurch einer sich beschleunigenden Abwärtsspirale bei den Milchpreisen ausgesetzt“, zitierte der Verband aus dem Schreiben. Das Kartellamt bestätigte den Eingang des Schreibens, äußerte sich darüber hinaus aber nicht.
Bauernverband kritisiert Wettbewerb um Billigstpreise
Der Milchpräsident des Bayerischen Bauernverbands, Peter Köninger, kritisierte die aktuellen Butterpreise. „Was wir hier sehen, ist ein Wettbewerb um das Image des Billigsten und genau das falsche Signal“, zitierte der Verband Köninger in der Mitteilung. Dumpingpreise, die ganze Wertschöpfungsketten gefährdeten, dürften keine akzeptierte Marktstrategie sein.
Mit ihren Preissenkungen konterkarierten die Akteure des Lebensmitteleinzelhandels ihre Forderungen nach mehr Tierwohl, kritisiert der Bayerische Bauernverband. Viele Betriebe hätten dafür zum Teil hohe Investitionen auf sich genommen. Nun müssten sie erfahren, dass insbesondere die Discounter sich hier nicht als verlässlicher Partner erwiesen und aktuell nur auf Billigstpreise setzten, heißt es in der Mitteilung. Das erschüttere nicht nur das Vertrauen der Landwirte, sondern gefährde auch die Zukunftsperspektive einer regionalen sowie auf Tierwohl und Nachhaltigkeit ausgerichteten Lebensmittelerzeugung.
Handel hält Kritik für unbegründet
Der Handelsverband Deutschland (HDE) weist die Kritik als unbegründet zurück. „Da aktuell zu viel Ware auf dem Markt ist, sinkt der Preis“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Die Entwicklung zeige, dass der Wettbewerb funktioniere. Der Handel gebe sinkende Preise direkt an Verbraucher weiter. Eine Beschwerde beim Kartellamt sei aussichtslos, da sich die Händler an geltendes Recht hielten. Genth betonte, der Handel kaufe über Molkereien und habe daher wenig Einfluss auf die Einkommen der Landwirte. Die Vorwürfe seien Ausdruck der angespannten Lage vieler Milchbauern.
Auch die Supermarktkette Rewe meldete sich zu Wort. „Wir beobachten die aktuelle Preisspirale in einzelnen Produktkategorien mit großer Sorge“, sagte ein Sprecher. Der anhaltende Kostendruck stelle die gesamte Wertschöpfungskette vor große Herausforderungen – insbesondere die landwirtschaftlichen Betriebe. Es bleibe eine Herausforderung, Verbraucherpreise, Einkommen der Landwirte, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen.
