Der Lebensmittelverband Deutschland hat eine aktuelle Veröffentlichung im Fachjournal The Lancet zurückgewiesen, die sogenannte hochverarbeitete Lebensmittel als zentrale Bedrohung der öffentlichen Gesundheit einstuft. Die im Beitrag genutzte Klassifizierung und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen seien wissenschaftlich nicht belegt, meint der Verband. Zudem verkenne die Veröffentlichung die Bedeutung moderner Lebensmittelverarbeitung für Sicherheit, Qualität, Innovation und gesellschaftliche Teilhabe.
Autoren ziehen Parallelen zur Tabakindustrie
In dem kritisierten Beitrag werden hochverarbeitete Lebensmittel mit vielerlei Gesundheitsrisiken wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischen Problemen verbunden. Die hochverarbeiteten Lebensmittel, heißt es, verdrängten traditionelle Mahlzeiten und verschlechterten die Nährstoffversorgung, Sie verstärkten gesundheitliche Ungleichheiten, weil ärmere Bevölkerungsgruppen stärker betroffen seien. Die Autoren ziehen Parallelen zur Tabakindustrie und fordern ähnlich starke globale Gegenmaßnahmen.
Verarbeitungsgrad sagt nichts über gesundheitliche Qualität
Der Verband kritisiert die im Lancet-Beitrag verwendete NOVA-Klassifikation als wissenschaftlich hoch umstritten. Diese berücksichtige zum Beispiel Energiedichte, Nährwertzusammensetzung, Portionsgrößen oder die Textur eines Lebensmittels nicht. Viele Lebensmittel, die in Deutschland als Teil einer ausgewogenen Ernährung gelten würden, fielen allein dadurch völlig undifferenziert in die Kategorie hochverarbeitet.
„Der Verarbeitungsgrad sagt nichts über die gesundheitliche Qualität eines Produkts aus. Die NOVA-Klassifikation führt in die Irre und trägt nicht zu einem besseren Verständnis gesunder Ernährung bei.“ Das betont Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff.
Lebensmittelverarbeitung zentraler Bestandteil menschlicher Ernährung
Lebensmittelverarbeitung sei seit jeher ein zentraler Bestandteil menschlicher Ernährung, argumentiert der Verband. Verarbeitung sorge für Haltbarkeit, Sicherheit, Hygiene, Nährwertstabilität und Vielfalt. Damit ermögliche sie die verlässliche Verfügbarkeit von Lebensmitteln für alle Bevölkerungsgruppen.
Die Lebensmittelwirtschaft arbeite seit Jahren daran, Produkte schrittweise an die sich ändernden Verbraucherwünsche anzupassen, etwa durch Salz-, Zucker- und Fettreduktion oder durch Optimierung der Mikronährstoffzusammensetzung.
Realitäten berücksichtigen und keine Feindbilder bedienen
Minhoff unterstreicht zudem: „Wir müssen gesellschaftliche Realitäten berücksichtigen, statt einfache Feindbilder zu bedienen. Für viele Menschen sind verarbeitete Lebensmittel eine wichtige Alltagserleichterung, ermöglichen Teilhabe, Zeitersparnis und bezahlbare Ernährung.“
Der Lebensmittelverband plädiert nach eigenen Angaben für Ernährungsbildung statt Verbote, Produktoptimierung statt Stigmatisierung, wissenschaftlich fundierte Bewertung statt vereinfachender Kategorisierung und den Dialog zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft statt konfrontativer Rhetorik.
