Vogelgrippe Situation in Deutschland weiterhin ernst

 1,5 Millionen Tiere gekeult, Labore am Limit: Seit September registrierte das Friedrich-Loeffler-Institut fast 100 Ausbrüche der Vogelgrippe in Geflügelhaltungen. Experten bewerten das Risiko als hoch. 

Donnerstag, 13. November 2025, 11:13 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
1,5 Millionen Tiere gekeult, Labore am Limit: Die Geflügelpest grassiert in Deutschland. Bildquelle: Getty Images

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat die Halter von Geflügel aufgerufen, ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu verschärfen. „Gebt euch selbst strenge Regeln, was die Biosicherheit mit anbelangt“, sagte der Minister bei seinem Besuch beim Friedrich-Loeffler-Institut bei Greifswald. Seit Beginn der aktuellen Infektionswelle mussten nach seinen bereits etwa 1,5 Millionen Tiere getötet werden.

Deutlich höhere Dunkelziffer

Die Veterinärlabore stoßen an ihre Belastungsgrenze. Das bestätigte die Präsidentin des Friedrich-Loeffler-Instituts, Christa Kühn. Der Anstieg der Fälle verlaufe steiler als im Winter 2020/2021, der bisher zu den schlimmsten Geflügelpestwintern zählte. „Trotz anhaltender Aufmerksamkeit der Geflügel-haltenden Betriebe findet das Virus anscheinend jede noch so kleine Lücke“, erklärte Kühn. 

Das Institut registriert täglich neue Ausbrüche in Geflügelhaltungen. Seit Anfang September stellten die Forscher fast 100 Fälle in Haltungen fest. Die Zahl der Nachweise bei Wildvögeln bewegt sich den Angaben zufolge in Richtung 900. Die Dunkelziffer sowie die Zahl tot geborgener Wildvögel liegen deutlich höher. Das Friedrich-Loeffler-Institut bewertet alle Risiken, die sich auf Geflügelhaltungen und Vogelbestände oder Wildvögel beziehen, als hoch.

Rainer dämpft Erwartungen an Impfungen

Die Geflügelpest löste in diesem Herbst vor allem unter Kranichen ein Massensterben aus. Aber auch bei weiteren Wildvogelarten weist das Institut zunehmend das Virus nach. Diese Arten könnten zu einer weiteren Zirkulation des Virus unter Wildvögeln und zu einem hohen Infektionsdruck in der Umwelt beitragen, teilte eine Sprecherin des Instituts mit. Dieser könne unabhängig vom Vogelzug über den Winter anhalten.

Rainer dämpfte die Erwartungen an mögliche Impfungen. Man dürfe das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht außer Acht lassen, sagte der Minister. Er verwies darauf, dass Impfungen teils auch mit Handelsrestriktionen einhergingen, weil bestimmte Länder geimpftes Geflügel nicht mehr abnehmen. Das Ministerium startet nach Angaben Rainers gerade eine Umfrage bei Handels- und Geflügelverbänden, um auszuloten, wie diese zu Impfungen stehen. Trotz der vielen Ausbrüche sieht Rainer den Festtagsbraten nicht in Gefahr. Er gehe nicht davon aus, dass die Preise deshalb explodieren werden, sagte der Minister.

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