Die EU-Staaten haben sich gegen eine deutliche Reduzierung der Fangquoten für Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee entschieden. Die Fangmengen für deutsche Fischer bleiben im Jahr 2024 stabil, wie das Landwirtschaftsministerium in Berlin mitteilte.
Die EU-Kommission hatte im Sommer empfohlen, die Fangmenge für westlichen Hering zu halbieren und die Quote für westlichen Dorsch um 84 Prozent zu senken. Die EU-Fischereiminister folgten dieser Empfehlung nicht. Bei Schollen sinkt die erlaubte Fangmenge um 3 Prozent. Die Quote für Sprotten steigt dagegen um 45 Prozent.
Deutsche Fischer dürfen weiterhin mit kleinen Booten und Stellnetzen gezielt Heringe fangen. Auch die Regelung für den Beifang von Heringen bleibt bestehen. „Fischerei ist ein einzigartiges Kulturgut und ein Stück Heimat. Das müssen wir bewahren“, begründete Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) die Entscheidung. Diese stelle eine Balance zwischen Schutz und Nutzung der Fischbestände dar.
Nabu kritisiert EU-Entscheidung scharf
Der dänische Fischereiminister Jacob Jensen, dessen Land derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat, bezeichnete die Lage in der Ostsee als „weiterhin ernst“. Klimawandel, Überfischung und andere Faktoren haben die Fischbestände in den vergangenen Jahren stark belastet. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisierte die Entscheidung der EU-Staaten. Diese ergebe weder ökologisch noch ökonomisch Sinn und wiederhole „das politische Versagen der vergangenen Jahre“.
Die EU-Kommission legt ihre Vorschläge für Fangquoten auf Basis wissenschaftlicher Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung vor. Die EU-Fischereiminister müssen sich bei ihrer Entscheidung aber nicht an diese Empfehlungen halten.
