Branchenstudie 2025 Konsumgüterindustrie rechnet mit sinkenden Margen

Deutsche Konsumgüterhersteller rechnen für 2025 mit einem deutlichen Rückgang der operativen Gewinnmarge auf durchschnittlich 8 Prozent.  Nachhaltigkeit verliert an Priorität, während Künstliche Intelligenz an Bedeutung gewinnt. Das zeigt eine Studie der Unternehmensberatung Horváth.

Dienstag, 16. September 2025, 12:04 Uhr
Thomas Klaus
Mit spitzem Stift kalkulieren – das müssen die Konsumgüterhersteller in Deutschland zunehmend. Bildquelle: Getty Images

Die Konsumgüterindustrie in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Für 2025 erwarten die Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder der großen deutschen Hersteller einen deutlichen Rückgang der EBIT-Marge auf durchschnittlich etwa 8 Prozent. Die EBIT-Marge setzt den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) ins Verhältnis zum Umsatz.

Die Schätzung entspricht einem Minus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Horváth. Für sie wurden 100 Personen repräsentativ befragt.

Beste Chancen bei optimierter Produktions- und Kostenstruktur

Trotz des anhaltend hohen Margendrucks rechnen die Unternehmen mit einem robusten Umsatzwachstum von rund 7 Prozent. Dies führt Horváth vor allem auf Preiserhöhungen und eine schwankende Verbrauchernachfrage zurück. „Unternehmen mit einer optimierten Produktions- und Kostenstruktur, die zudem flexibel auf Marktveränderungen reagieren können, haben in der aktuellen Marktlage die besten Chancen.“ Das erklärte Altfrid Neugebauer, Partner und Konsumgüter-Experte bei Horváth.

Nur geringes Beschäftigungswachstum erwartet

Die Studie zeigt auch massive Verschiebungen im weltweiten Produktionsnetzwerk der Konsumgüterindustrie auf. Während die Unternehmen in Asien, Osteuropa und Indien Personal aufbauen, bauen sie in Deutschland sowie West- und Südeuropa Stellen ab. Insgesamt erwarten die Befragten für 2025 nur ein geringes Beschäftigungswachstum von 0,8 Prozent. Im gesamten produzierenden Gewerbe werden 1,6 Prozent und im Vergleich über alle Branchen hinweg 2,6 Prozent prognostiziert.

Alfrid Neugebauer begründet diese Entwicklung mit den hohen Lohnkosten in Europa und Nordamerika sowie attraktiven Absatzchancen im asiatischen Raum.

Zunehmender Einsatz Künstlicher Intelligenz

Ein weiterer Trend ist der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Marketing und Vertrieb. Laut der Studie erwarten die Unternehmen, dass sie die Effizienz in diesen Bereichen um 17 Prozent über die kommenden drei Jahre steigern könnten. Dies könnte bedeuten, dass jede sechste Stelle in diesen Abteilungen überflüssig wird. Bei den Kosten wird mit Einsparungen von 11 Prozent gerechnet. Gleichzeitig wollen 70 Prozent der untersuchten Unternehmen verstärkt über soziale Netzwerke wie Tiktok oder Instagram verkaufen.

Nachhaltigkeit mit deutlich geringerem Stellenwert

Bemerkenswert ist auch, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Prioritätenliste der Unternehmen deutlich nach unten gerutscht ist. Zwar halten zwei Drittel der Unternehmen weiterhin an ihren Net-Zero-Zielen fest, doch hat jedes dritte Unternehmen sein Ziel bereits nach hinten verschoben oder erwägt dies. „Die Unternehmen tun ihre gesetzliche Pflicht, setzen aber nicht mehr auf strategische Wettbewerbsvorteile durch Nachhaltigkeitsanstrengungen“, erläuterte Neugebauer. 58 Prozent der Befragten gaben an, dass die Zahlungsbereitschaft der Verbraucher für nachhaltige Produkte stark gesunken sei.

Die obersten Prioritäten der Konsumgüterindustrie für 2025 sind laut der Studie Kostenoptimierung, Digitalisierung und KI sowie die Optimierung von Produktionsstrukturen und Lieferketten. Nachhaltigkeit ist dagegen von Platz 4 im Vorjahr auf Platz 12 abgerutscht.

Prioritäten-Ranking im Einzelnen

Nachfolgend das gesamte Management-Prioritäten-Ranking der Konsumgüterindustrie 2025 (Veränderung zu 2024):

  1. Kostenoptimierung (unverändert)
  2.  Digitalisierung & KI (unverändert)
  3.  Optimierung von Produktionsstrukturen und Supply Chain (+3)
  4.  Strategische Personalthemen (-1)
  5.  Cyber Security (unverändert)
  6. Innovation und Forschung & Entwicklung (neue Priorität)
  7.  Reorganisation von Strukturen und Prozessen (unverändert)
  8. Verbesserung der Liquidität (+1)
  9. Verbesserung der finanziellen Performance und Risikomanagement (+2)
  10. Optimierung von Gruppenstrategie & Geschäftsmodell (+2)
  11. Anpassung von Pricing- und Erlösmodellen (-3)
  12. Ökologische Orientierung / Nachhaltigkeit (-8)
  13. M&A bzw. Divestments von Geschäftsbereichen (-3)

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