Laut dem aktuellen IAB-Betriebspanel waren 28 Prozent der Betriebe tarifgebunden. Der Anteil der Beschäftigten unter Tarifvertrag lag jedoch bei 48 Prozent. Das legt den Schluss nahe, dass vor allem größere Betriebe tarifgebunden sind. 47 Prozent der Unternehmen orientieren sich freiwillig an tariflichen Regelungen – nach Einschätzung der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) ein Zeichen für deren anhaltende Relevanz.
Die Arbeitgeber sehen geplante gesetzliche Vorgaben zur Tariftreue kritisch. Die ANG warnt vor einem Eingriff in die bewährte Tarifautonomie – besonders in einer mittelständisch geprägten Branche. „Die Stärkung der Tarifbindung ist ein wichtiges gemeinsames Ziel, das in erster Linie durch die Sozialpartner erreicht werden muss“, sagte Hauptgeschäftsführerin Kim Cheng laut Mitteilung. „Entscheidend sind moderne, attraktive und an die Praxis angepasste Tarifverträge, die den Interessen von Beschäftigten und Unternehmen gerecht werden. Staatliche Vorgaben können diesen Prozess kaum ersetzen und sollten sich daher auf die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen konzentrieren.“
Hintergrund sind Pläne der schwarz-roten Bundesregierung. Die Koalitionspartner SPD und Union hatten sich im Koalitionsvertrag auf eine Stärkung der Tarifbindung geeinigt. Zu diesem Zweck soll ein Bundestariftreuegesetz auf den Weg gebracht werden. Dieses soll für Vergaben auf Bundesebene ab 50.000 Euro gelten.
IAB zählt 6.000 Betriebe in der Branche
Die Ernährungs- und Genussmittelindustrie umfasst nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung etwa 6.000 meist kleine und mittelständische Betriebe mit rund 643.000 Beschäftigten. In keiner anderen Industrie werden so viele Tarifverträge in so kurzer Zeit neu abgeschlossen und verhandelt.
Die Zahlen des IAB-Betriebspanels basieren auf einer repräsentativen Befragung von rund 15.000 Betrieben in Deutschland. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 2,1 Millionen Betriebe mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, in denen rund 40,6 Millionen Menschen arbeiten.
