Fleisch Fleischbranche optimistisch

Bei der Jahresbilanz des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF) haben die Lobbyisten ein optimistisches Bild gemalt. Der Negativtrend der vergangenen Jahre habe sich abgeschwächt.

Freitag, 08. Dezember 2023 - Hersteller
Lebensmittel Praxis
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Bildquelle: Getty Images

Für die Vertreter der großen Schlachthof-Betriebe war die Sache klar: Aussagen wie „Die Deutschen essen wieder mehr Fleisch“ und „Das Image von Fleisch erholt sich“, fielen am bei der Bilanz des VDF. Der Fleischkonsum im privaten Bereich ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr nur noch um 0,7 Prozent zurückgegangen, 2022 waren es noch 8,1 Prozent. Die Zahlen zeigen auch: Im Leben vieler Menschen spielt Fleisch nach wie vor eine wichtige Rolle, für mehr als 60 Prozent ist es als Lebensmittel sogar unverzichtbar.

Wenig beeindruckt ist die Branche nach eigenen Angaben davon, dass immer mehr Menschen sich vom Fleisch abwenden wollen. VDF-Vorstand Hubert Kelliger sagt dazu: „Die Verbraucher haben gelernt, politisch korrekte Antworten zu geben: ‚Ich esse weniger Schnitzel und rette die Welt‘. Mit dem Kaufverhalten hat das nichts zu tun.“ An eine Rückkehr zu den alten Produktionsmengen glauben aber auch die wenigsten VDF-Vertreter. Man erwarte eine Stabilisierung, keine Rückkehr zu den Schlachtzahlen von vor fünf Jahren, hieß es.

Zuletzt hat das Lebensmittel Fleisch auf den Tellern deutlich an Bedeutung verloren. Laut Statistischem Bundesamt sank die Fleischproduktion 2022 im Vergleich zum Vorjahr um gut acht Prozent, allein in der ersten Jahreshälfte 2023 um weitere knapp sechs Prozent. Nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BLZ) aßen die Deutschen 2022 pro Kopf 52 Kilogramm Fleisch – so wenig wie noch nie seit Beginn der Berechnungen 1989.

Die aktuellste empirische Untersuchung findet sich in der kürzlich veröffentlichten Nachhaltigkeitsstudie der Rewe Group, des GfK Consumer Panel und der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis. Studienautor Robert Kecskes sagt: „Der häusliche Fleischkonsum geht in allen Haushalten zurück.“ Zwischen 2018 und 2023 ist der Anteil der Haushalte, in denen bewusst versucht wird, den Fleischkonsum zu reduzieren, demnach von 37 Prozent auf mehr als 47,5 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist der Ausgabenanteil von Fleisch, inklusive Fisch, an den Konsumgütern des täglichen Bedarfs in den vergangenen Jahren jedoch nur leicht gesunken (minus 3,9 Prozent seit 2018), in einigen Altersgruppen ist er nahezu stabil.

In der älteren Generation wollen zwar überdurchschnittlich viele ihren Fleischkonsum reduzieren, dennoch sind die Ausgaben für Fleisch höher als bei den Jüngeren. Aus Sicht von Kecskes ist das auch darauf zurückzuführen, dass Ältere „fleischsozialisiert“ und größere Fleischmengen gewöhnt seien. Ganz unterschiedlich ist dabei die Motivation, weniger Fleisch zu essen: Ältere begründen dies eher mit gesundheitlichen Aspekten, Jüngere dagegen mit Tierwohl und Klima. Vor allem bei finanzstarken Haushalten und Jüngeren sinkt laut Studie zwar die konsumierte Fleischmenge, nicht aber der Anteil der Ausgaben – weil häufig auf teureres und höherwertiges Fleisch umgestiegen wird. Die sogenannte Generation Z verzichte zunehmend auf Fleisch.

Kecskes sieht beim Fleisch einen „kulturellen Wandel“. Er erwartet, dass sich der Trend - reduzierter und bewusster - ausweiten wird, sobald sich die finanzielle Situation entspanne. Beim Konsum lasse sich in allen Altersgruppen eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten beobachten. Die Abschwächung 2022/2023 sei auf wirtschaftliche Umstände zurückzuführen.

Was die Stimmung in der Fleischwirtschaft sicher nicht trübt, ist der Blick zur Konkurrenz. Nachdem der Fleischersatz-Markt in den vergangenen Jahren rasant gestiegen ist, stagniert die Entwicklung inzwischen. Der Ausgabenanteil und die Mengen pro Haushalt sind sogar leicht rückläufig. Für Kecskes sind die Produkte „am Ende eines Hypes in einer Nische angekommen“. Bio und Tierhaltungsstufen machten den Fleischkonsum wieder interessant für viele „Flexitarier“.

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