Weinkellerei Reh Kendermann hebt Preise an

Alexander Rittlinger, Geschäftsführer der Binger Weinkellerei Reh Kendermann, hat Preiserhöhungen im In- und Ausland angekündigt. Die aktuelle Kostenentwicklung bei Rohstoffen und Energie sei so nicht mehr abzubilden. Jeder in der Wertschöpfungskette müsse Geld verdienen können. Man befinde sich in Verhandlungen mit unter anderem Rewe und Aldi.

Mittwoch, 10. November 2021 - Hersteller
Lebensmittel Praxis
Artikelbild Reh Kendermann hebt Preise an

Die Binger Weinkellerei Reh Kendermann konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr (1. Juli 2020 bis 30. Juni 2021) zwar wertmäßig um 17 Prozent auf 95 Millionen Euro wachsen. Sorge bereitet dem Unternehmen aber die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten. „Benzin und Diesel wird teurer. Beim Papier haben wir Preissteigerungen um 10 Prozent. Hier wird es im Dezember und Januar weitere Erhöhungen geben. Die Weinpreise sind auch gestiegen. Wir sind nicht in der Lage das alles allein zu kompensieren“, erklärt Rittlinger. Er sei zuversichtlich, sich mit dem Handel einigen zu können. Zu Auslistungen anderer Marken in der jüngeren Vergangenheit sagt Rittlinger: „Einige schlagen bei den Verhandlungen über die Stränge. Das kommt beim Handel nicht gut an.“

Reh Kendermann produziert und vertreibt Weine im In- und Ausland. Erstmals überstieg der Inlandsumsatz den Anteil des Exports. Dies sei vor allem dem während der Pandemie erstarkten Handelsgeschäft geschuldet. In Deutschland arbeitet Reh Kendermann eng mit Rewe zusammen, insbesondere beim Markengeschäft mit unter anderem Lindeman’s und Kendermanns sowie Strandgut. Für unter anderem Aldi produzieren die Binger Handelsmarken. Dieses Geschäft hat einen Anteil von rund ein Drittel.

Die Kellerei exportiert in 39 Länder, mit einem Fokus auf England, Skandinavien, USA und Asien. Die meisten Regionen hätten sich von der Pandemie erholt. Dazu zählt auch UK. Dieser Markt ist für Reh Kendermann ein wichtiger, aber kein einfacher: Der klassische LEH sei stark an den Discountern orientiert und daher preisaggressiv. „In den vergangenen Jahren war es durchaus sehr herausfordernd, diesen Markt für uns weiterzuentwickeln. Umso mehr freuen wir uns, dass es uns gelungen ist, unsere Präsenz am britischen Markt zu stärken und sogar eine tiefere Distribution zu erreichen“, erläutert Rittlinger. Dies führt er auf die im Frühjahr 2020 aufgenommene Beteiligung am britischen Weindistributeur North South Wines zurück. „Kundenstruktur und Sortimentsmix passen sehr gut zusammen.“

Der Hauptsitz der Reh Kendermann GmbH Weinkellerei ist in Bingen. 2021 nahm die Kellerei hier ein neues Tanklager in Betrieb. Auf einer Fläche von rund 1.800 Quadratmetern befinden sich fast sechzig Gär- und Drucktanks für mehr als 5,5 Millionen Liter Wein. Weitere Standorte finden sich in Leiwen und Gau-Bickelheim.

In Oprisor, im Südwesten Rumäniens, unterhält Reh Kendermann ein eigenes Weingut. Dort stehen 252 Hektar Rebfläche im Ertrag. Im April 2017 übernahm die Reh Kendermann GmbH das südafrikanische Weingut Napier Vineyards. Auf rund 30 Hektar Rebfläche werden in Wellington hochwertige Manufakturweine im Bordeaux-Stil produziert. Seit Ende 2015 ist Reh Kendermann zudem mehrheitlich an Yapp Brothers, einem britischen Premiumhändler für überwiegend französische Weine, beteiligt.

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