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Reduktionsstrategie Gut, aber nicht gut genug

Lebensmittel Praxis | 01. April 2020
Reduktionsstrategie: Gut, aber nicht gut genug
Bildquelle: CDU Rheinland-Pfalz

Hersteller-Zusagen für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten zeigen nach Angaben von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (Foto) Wirkung – sie sieht aber weiteren Handlungsbedarf. „Es geht in die richtige Richtung“, sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung erster Daten. Die Branche indes ist zufrieden mit dem Zwischenergebnis.

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Nach einer Erhebung des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts (MRI) ging etwa der Zuckergehalt bei speziell für Kinder beworbenen Joghurtzubereitungen seit 2016 um 7,4 Prozent zurück. Er sei aber weiter höher als in Produkten, die nicht extra für Kinder angepriesen werden. „Da muss die Wirtschaft nachsteuern“, sagte Klöckner.

Klöckner nannte einige Vergleichsdaten zur Basiserhebung 2016:

18 Prozent weniger Zucker in Quarkzubereitungen für Kinder und gleichzeitige Abnahme des Energiegehalts um zehn Prozent;

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17 Prozent weniger Zucker in Knusper-Schoko-Cerealien für Kinder;

Sieben Prozent weniger Zucker in Kinderjoghurts und gleichzeitige Abnahme des Energiegehalts dieser Produkte um 18 Prozent sowie tendenziell weniger Salz in Tiefkühlpizzen.

Außerdem sind im Vergleich zu 2018 etwa 35 Prozent weniger Zucker in Erfrischungsgetränken für Kinder enthalten.

Hintergrund ist eine vom Bundeskabinett Ende 2018 beschlossene „Reduktionsstrategie“. Sie sieht vor, dass sich Hersteller zu schrittweisen Zutaten-Änderungen bis 2025 verpflichten. Um die Wirksamkeit der freiwilligen Branchenzusagen nachzuvollziehen, hat das MRI eine erste Vergleichsuntersuchung gemacht.

Klöckner sagte, über Selbstverpflichtungen zeigten sich in vielen Bereichen sogar schnellere Veränderungen, als gesetzliche Regelungen sie gebracht hätten. Zugleich schloss sie solche Eingriffe nicht aus, wenn Ziele nicht eingehalten werden. Verbraucherschützer und Mediziner kritisieren das Vorgehen auf freiwilliger Basis und fordern stärkeres Gegensteuern auch mit Werbebeschränkungen oder Extra-Steuern.

„Freiwilligkeit funktioniert“, sagte hingegen Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands Deutschland. Der Monitoringbericht zeige, „dass die Unternehmen der beteiligten Wirtschaftsverbände intensiv daran arbeiten, die Prozess- und Zielvereinbarungen zur Reduktion von Zucker und Salz umzusetzen“, sagte Minhoff. „Wir sind zufrieden mit den ersten Monitoring-Ergebnissen, denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir April 2020 haben und die Zielvereinbarungen erst in fünf Jahren vollständig umgesetzt werden sollten.“