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Verband Deutscher Mineralbrunnen Kritik an Stiftung Warentest

Lebensmittel Praxis | 12. Februar 2020

Bildquelle: Rhodius Mineralquellen und Getränke GmbH & Co. KG

Der Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) wehrt sich gegen einen Test, in dem die Stiftung Warentest Leitungs- und Mineralwasser verglichen hat, veröffentlicht im Juli-Heft 2019. Der Vergleich basiere auf unterschiedlichen Methoden und Bewertungen, so Dr. Karl Tack (Foto), VDM-Vorsitzender. Juristische Schritte einzuleiten, plant der Verband aktuell nicht.

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Dass die Reaktion des Verbandes so viele Monate auf sich warten ließ, begründet Dr. Tack so: „Wir wollen faktenbasiert und durch wissenschaftlich-fundierte Argumente überzeugen sowie darauf hinwirken, dass zukünftige Untersuchungen fair und auf Basis nachvollziehbarer Kriterien erfolgen. Zudem werden wir uns gegen die Versuche der Bundesumweltministerin Svenja Schulze stemmen, die Leitungswasser als Alternative zu in Flaschen abgefülltem Mineralwasser propagieren möchte.“

Aufgrund der unterschiedlichen Prüfprogramme sei der kritisierte Vergleich der Stiftung Warentest als „Irreführung des Verbrauchers“ zu werten. Zudem verstoße die Stiftung gegen das in ihrer Satzung enthaltene Prinzip der Objektivität. Dies sind zwei Kernergebnisse von Prof. Dr. Bernhard Heidel, Inhaber der Professur für Marketingforschung/Statistik an der Hochschule RheinMain, Wiesbaden Business School, der intensiv die Methoden und Ergebnisse der Stiftung Warentest im VDM-Auftrag analysiert hat.

Die sensorische Bewertung von Mineralwasser spielt mit einem hohen Anteil von 50 Prozent an der Gesamtnote eine besonders große Rolle. Eine sensorisch geschulte Prüfgruppe aus sieben Experten verkostete die anonymisierten natürlichen Mineralwässer und ermittelte das sensorische Urteil anhand nicht nachvollziehbarer Kriterien, wie zum Beispiel dem Mundgefühl. Für den Verbraucher bleibt dabei unklar, wie die sensorische Bewertung im Detail zustande gekommen ist. Gleichzeitig wird bei Leitungswasser ohne Angaben von Gründen auf eine sensorische Prüfung vollständig verzichtet, obwohl sechs der 20 getesteten Leitungswässer mit Chlor desinfiziert wurden. Statt auf Geschmack untersucht die Stiftung Warentest Leitungswasser auf Verunreinigungen oberirdischen Ursprungs. Obwohl 80 Prozent der untersuchten Leitungswässer Spuren davon ausweisen, bescheinigt die Stiftung Warentest allen getesteten Leitungswässern eine hohe Qualität. Zudem verzichtet sie auf eine Schulnotenbewertung.


Bei der Untersuchung der mikrobiologischen Qualität von Mineralwasser geht die Stiftung Warentest deutlich über die in der Mineral- und Trinkwasserverordnung (MTVO) gesetzlich enthaltenen Bestimmungen hinaus und prüft stilles Mineralwasser mittels Blutagar-Nährböden auf spezielle Keime. Hier wird Mineralwasser faktisch nach den Anforderungen der klinischen Mikrobiologie an medizinische Spezialnahrung für Hochrisikopatienten bewertet und nicht nach den maßgeblichen gesetzlichen Bestimmungen der MTVO. Bei Leitungswasser hingegen verzichtet die Stiftung Warentest komplett auf eine Untersuchung der mikrobiologischen Qualität mit der

Begründung: „Auf Keime untersuchten wir das Wasser nicht, weil eine mögliche Keimbelastung auch von der individuellen Hygiene am Hahn abhängt.“

Für die Wasserqualität von der Wasseruhr bis zum Wasserhahn sind die Hauseigentümer und nicht die Wasserwerke verantwortlich. Bei der Probenahme von Leitungswasser durch die Stiftung Warentest wurde das in den Rohrleitungen befindliche Stagnationswasser komplett ablaufen gelassen. Eine Vorgehensweise, die für Verbraucher in Deutschland vollkommen untypisch ist. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS hervor, die im Auftrag des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM) im August 2019 durchgeführt wurde. Diese zeigt, dass 86 Prozent der Menschen in Privataushalten das Wasser gar nicht beziehungsweise maximal zehn Sekunden ablaufen lassen. Nach dem Ablaufen des Stagnationswassers wird also lediglich die Qualität vor der Wasseruhr, aber nicht die Qualität des aus dem Hahn entnommenen Leitungswassers untersucht.

Dabei lauern in der Hausinstallation zahlreiche Gefahren. Nach Erkenntnissen des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik (IGB) stellt das häusliche Leitungssystem – vom IGB auch als „Last Mile“ bezeichnet – ein erhebliches Risiko für die Wasserqualität dar. Neben dem Stagnationswasser können der Wasserpartikelfilter, die Leitungsqualität, die Wassertemperatur und der Perlator (Wasserdüse am Hahn) die Leitungswasserqualität nachhaltig beeinträchtigen.

Die bei der Stiftung Warentest fehlende mikrobiologische Überprüfung des Leitungswassers wurde im Sommer 2019 im Auftrag des VDM vom Institut Fresenius (SGS Institut Fresenius, Taunusstein) in 33 Privathaushalten durchgeführt. Bei der mikrobiologischen Untersuchung auf dem Nährmedium Blutagar kommt die „Leitungswasser Studie 2019“ von SGS Fresenius zu aussagefähigen Ergebnissen: Bei 56 Prozent der untersuchten Leitungswässer waren Keime im Wasser nachweisbar, wenn auf einen Vorlauf und damit auf einen Abfluss des Stagnationswassers verzichtet wurde. Bei einem Vorlauf von 30 Sekunden reduzierte sich die Anzahl der mit Keimen beaufschlagten Leitungswässer nur vergleichsweise gering auf 41 Prozent. Von den 56 Prozent der mit Keimen belasteten Proben weisen über 60 Prozent fakultativ pathogene Keime der Risikostufe 2 nach BioStoffV auf. Sie können ein Risiko für immungeschwächte Menschen darstellen, also zum Beispiel für Babys, Krebs- und Aidskranke. Selbst nach einem verbraucheruntypischen Wasservorlauf von 30 Sekunden, das entspricht zirka fünf Litern, weisen immer noch 28 Prozent der Proben fakultativ pathogene Keime auf.

Bei den in der „Leitungswasserstudie 2019“ von Fresenius parallel untersuchten 30 Mineralwässern wiesen hingegen nur sieben Prozent der Proben Keime dieser Risikoklasse auf. Somit birgt der hygienische Zustand der endständigen Entnahmearmatur deutlich höhere mikrobiologische Gefahren-Potentiale für den Menschen als Mineralwasser, da Mineralwasser direkt an der natürlichen Quelle in Flaschen abgefüllt wird.

Sebastian Rau, Customer Service Manager vom SGS Institut Fresenius, kommt in der „Leitungswasserstudie 2019“ zu dem Ergebnis, „dass für einen aussagekräftigen Vergleich der Qualität von Leitungswasser und natürlichem Mineralwasser das typische Verhalten der Verbraucher und der Zustand der Hausinstallationen nicht außer Acht gelassen werden darf. Ohne Berücksichtigung dieser entscheidenden Einflussgrößen entsteht ein unvollständiger und falscher Eindruck von der tatsächlichen Qualität des Wassers am Ort des Verbrauchs.“

Unter dem Titel „Leitungs- und Mineralwasser? Der große Check sorgt für Klarheit in der Frage: Besser aus dem Hahn oder aus der Flasche?“ suggeriert die Stiftung Warentest im Juli-Heft 2019, dass sie Leitungswasser unmittelbar aus dem Hahn mit dem Mineralwasser aus der Flasche in einem validen Test miteinander vergleicht. Sie kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die Qualität von Leitungswasser ebenbürtig oder sogar besser als die von Mineralwasser sei.