Regional-Star 2026 Das sind die besten Regionalkonzepte des Jahres

Regionalität bleibt ein Erfolgsmodell: Beim Regional-Star 2026 der Lebensmittel Praxis diskutierten Spitzenvertreter aus Politik, Handel und Landwirtschaft über die Zukunft regionaler Wertschöpfung – und zeichneten die innovativsten Konzepte aus ganz Deutschland aus.

Mittwoch, 08. Juli 2026, 11:51 Uhr
Bettina Röttig
Artikelbild Das sind die besten Regionalkonzepte des Jahres
Hochkarätiger Gast: Agrarminister Alois Rainer (Mitte) im Gespräch mit den Redakteuren Bettina Röttig von der Lebensmittel Praxis und Marcus Arden von top agrar.
So sehen Sieger aus: Beim Regional-Star 2026 wurden die besten Konzepte um das Thema Regionalität prämiert. Bildquelle: Santiago Engelhardt für Lebensmittel Praxis

Im Auditorium Friedrichstraße in Berlin haben die Lebensmittel Praxis und die Grüne Woche zum elften Mal den Branchenwettbewerb Regional-Star verliehen. Kaufland, der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) sowie die Medienpartner top agrar und Hof Direkt unterstützten die Veranstaltung.

Einer aktuellen Yougov-Studie zufolge bevorzugen 68 Prozent aller Haushalte in Deutschland 2025 beim Einkauf regionale Produkte; jeder zweite ist bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen. Ein klares Ergebnis der Verbraucherumfrage. Regionalität ist eines der wenigen Themen, das quer durch alle gesellschaftlichen Lager verbindet. In Zeiten geopolitischer Spannungen und unterbrochener Lieferketten wird die Region zunehmend zum Ankerpunkt – Regionalität verbindet sich mit Resilienz und Versorgungssicherheit.

Kongress: Politik, Handel und Landwirtschaft im Dialog

Vor der Preisverleihung diskutierten hochkarätige Gäste aus Politik, Handel und Landwirtschaft über regionale Wertschöpfungsketten. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer verteidigte die regionale Lebensmittelwirtschaft als strategischen Faktor für Versorgungssicherheit und forderte zugleich weniger Bürokratie. „Versorgungssicherheit ist damals wie heute nicht selbstverständlich“, sagte Rainer. Kitas, Schulen und Kantinen seien dabei ein gewaltiger Hebel, um Regionalität im Alltag zu verankern. Mit Blick auf Regeln und Berichtspflichten wurde er deutlich: „Ich bin angetreten, um Probleme zu lösen, nicht um sie zu verwalten.“

Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des BVLH, beschrieb Regionalität vor allem als Vertrauensfrage: „Regionalität ist im Kern eine Vertrauensfrage.“ Zugleich warnte er davor, Regionalität mit Abschottung zu verwechseln: „Den Protektionismus, glaube ich, den sollten wir alle ablehnen.“

Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbands, machte auf das Ungleichgewicht zwischen vielen landwirtschaftlichen Erzeugern und konzentrierten Handelsstrukturen aufmerksam: „Die Basis für regionale Lebensmittel ist die regionale Landwirtschaft“, betonte sie, „wir brauchen eine Stärkung der Erzeugerseite.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion „Gemeinsam regionale Stärke schaffen“ sprachen sich Hennerkes, Sabet und Markus Höner, agrarpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, unabhängig voneinander gegen feste Regionalquoten aus und setzten stattdessen auf Kooperation und praxisnahe Lösungen. Höner plädierte dafür, Regionalität vom Absatz her zu denken: „Wir möchten vom Absatz her anfangen“, sagte er und verwies auf die Gemeinschaftsverpflegung: „Großküchen ist einfach ein wahnsinnig großer Markt.“ Zugleich mahnte er, kleine regionale Verarbeitungs- und Schlachtstrukturen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Praxiseinblicke gaben zudem Carsten Poppe (Hof Poppe GmbH) zur erfolgreichen Direktvermarktung sowie Vanessa Schmelcher, Abteilungsleiterin Einkauf Regionalität bei Kaufland, zum Weg regionaler Produkte ins Supermarktregal.

13 Nominierte, vier Kategorien

Für den Regional-Star 2026 konnten sich Unternehmen in vier Kategorien bewerben, die die gesamte Wertschöpfungskette abdecken: Produktinnovation, Verarbeitung, Marketing und Handelskooperation. Aus zahlreichen Einreichungen wählte eine 13-köpfige Jury – unter anderem mit Vertretern von Edeka, Tegut, Rewe, Kaufland, dem BVLH, dem Thünen-Institut, der Landwirtschaftskammer NRW und der Grünen Woche – die Top 3 je Kategorie sowie einen Sonderpreisträger. Am Vormittag der Veranstaltung stellten sich alle 13 Nominierten noch einmal persönlichen Nachfragen der Jury, bevor die Jury am Abend die Gewinnerinnen und Gewinner kürte.

Kategorie Produktinnovation

In dieser Kategorie nominierte die Jury Bürger (Protein-Maultaschen mit Schwarzwaldmilch-Quark, Ditzingen), die Frankenförder Forschungsgesellschaft (Bratwurst mit Mäährwert aus dem Projekt Reffischaf, Luckenwalde) sowie Wageswiese/Emils Biomanufaktur (Emils Bioland Smoothies, Freiburg).

1. Platz: Frankenförder Forschungsgesellschaft mbH – „Bratwurst mit Mäährwert“
Brandenburger Weideschafe pflegen Deiche und fördern die Biodiversität, doch Fleisch älterer Tiere findet kaum Abnehmer. Mit einer Bio-Bratwurst, bei der Ingwersaft, Gewürze und ein Gemüseanteil von 20 Prozent das typische Schafaroma mildern, hat das Projekt Reffischaf dafür eine marktfähige Antwort entwickelt.

2. Platz: Emils Biomanufaktur – „Emils Bioland Smoothies“
Ohne Importfrüchte wie Bananen oder Mango, dafür mit Erdbeeren, Brombeeren und Äpfeln aus einem Umkreis von 100 Kilometern rund um Freiburg regionalisiert Emils Biomanufaktur das Smoothie-Konzept konsequent zu Ende.

3. Platz: Bürger GmbH & Co. KG – „Protein-Maultaschen mit Schwarzwaldmilch-Quark“ 
Der schwäbische Klassiker trifft auf den stärksten Ernährungstrend des Jahres 2025: Gemeinsam mit Schwarzwaldmilch – der Kontakt entstand über die Fördergemeinschaft für Qualitätsprodukte aus Baden-Württemberg (FBW) – hat Bürger eine Maultasche mit proteinreichem Quark entwickelt. Der zusätzliche Absatz von Schwarzwaldmilch-Produkten sichert zugleich den Auszahlungspreis für Milchviehbetriebe im Schwarzwald und damit den Erhalt der dortigen Kulturlandschaft.

    Kategorie Verarbeitung

    In dieser Kategorie nominierte die Jury Jackle & Heidi (Eismanufaktur, Neubrandenburg), Die Meck-Schweizer (B2B-Handelsplattform marktregio.de, Basedow) und Ueltzhöfer Kuechenwerk (Ganztiervermarktung des Limpurger Weideochsen, Heilbronn).

    1. Platz: Ueltzhöfer Kuechenwerk GmbH & Co. KG – „Ganztiervermarktung des Limpurger Weideochsen“
    Der Limpurger Weideochse zählt zu den seltensten Rinderrassen Deutschlands. Mit einer eigenen Manufaktur schließt das Ueltzhöfer Kuechenwerk die regionale Wertschöpfungskette vom Hof bis ins Regal.

    2. Platz: Die Meck-Schweizer GmbH – „B2B-Handelsplattform marktregio.de“
    In einer der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands hat die Initiative Meck-Schweizer eine eigene Infrastruktur aufgebaut: eine B2B-Plattform mit 129 Produzenten und 27 Händlern sowie eine eigene, solarbetriebene Elektrofahrzeugflotte.

    3. Platz: Jackle & Heidi GmbH – „Eismanufaktur mit eigenem Kräuteranbau“
    Bestes Eis ohne Zusatzstoffe, mit selbst hergestellten Zutaten und Rohstoffen aus der Region – von der Milch aus Bollewick über Bio-Eier aus Sponholz bis zum Zucker aus Anklam. Für eine kindgerechte Cola-Eis-Sorte baut das Unternehmen inzwischen sogar eigenes Cola-Kraut (Eberraute) an.

    Kategorie Marketing

    In dieser Kategorie nominierte die Jury die Bäckerei Stefan Dorn (Niederlausitzer Apfelstollen, Wahrenbrück), den Rewe Markt Angermünde („Hier schmeckst du Heimat“) und die Technische Hochschule Ingolstadt (Sauguad, in Kooperation mit dem Ferkelerzeugerring Landshut e.V.).

    1. Platz: Rewe Markt GmbH – „Dein Rewe Markt Angermünde – hier schmeckst du Heimat“
    60 lokale und regionale Lieferanten aus der Uckermark, monatliche Aktionspläne und die Kundenwahl zum „Regiostar des Monats“: Marktmanagerin Doreen Rösler hat ihren Markt zu einem regionalen Netzwerkzentrum ausgebaut.

    2. Platz: Technische Hochschule Ingolstadt (THI) in Kooperation mit dem Ferkelerzeugerring Landshut e.V. – „Sauguad – neue Wege in der Schweinehaltung und -vermarktung
    Daten statt Bauchgefühl: Das Forschungsprojekt Sauguad zeigt, wie Erzeuger Schweinefleisch in Bayern zukunftsfähig und nachhaltig vermarkten können – von der Geburt bis zur Verarbeitung in zwei benachbarten Landkreisen.

    3. Platz: Bäckerei Stefan Dorn – „Niederlausitzer Apfelstollen – Ein Stollen ‚Typisch Brandenburg“
    Statt weit gereister Rosinen setzt die Bäckerei aus Wahrenbrück auf Äpfel aus eigener Ernte sowie regionales Getreide und unterstützt mit einer Spende je verkauftem Stollen den Erhalt von Streuobstwiesen.

    Kategorie Handelskooperation

    In dieser Kategorie nominierte die Jury Edeka Dorfmann (Dorfmanns Hofladen, Nauen), Edeka Südwest (Schwarzwald Bio-Weiderind, Offenburg), Kempermarkt (Sauerländer Weidestolz, Sendenhorst) und Milkau Frischemärkte (Eigenmarke „Tante Milkau“, Geisingen).

    1. Platz: Milkau Frischemärkte KG – „Eigenmarke Tante Milkau“
    Aus der Suche nach gutem Kaffee für die eigene Bäckerei entstand eine eigene regionale Produktlinie: Mit Erzeugern aus einem Umkreis von 50 Kilometern entwickelten Holger Milkau und sein Team Rezepturen und Verpackungen für Eier, Nudeln, Honig, Apfelsaft, Mehle, Liköre und mehr.

    2. Platz: Kempermarkt – „Sauerländer Weidestolz“
    Zehn Jahre hat es gedauert: Landwirt Karsten Schäfer und die Kaufmannsfamilien Kemper, Scholz und Nüsken verarbeiten Rindfleisch ganz ohne Zwischenhändler – mit hofeigenem Schlachthaus im Sauerland.

    3. Platz: Edeka Dorfmann – „Dorfmanns Hofladen
    Ein Hofladen mit großem Sortiment regionaler Waren als Shop-in-Shop-Konzept direkt im Supermarkt: Mehr als 30 Erzeuger aus der Havelregion liefern ohne Umweg über das Zentrallager in den Zukunftsmarkt in Nauen.

    Sonderpreis Konzept Zentralen: Edeka Südwest Stiftung & Co. KG – „Schwarzwald Bio-Weiderind“

    Neben dem Preisträger für ein Markt-Konzept zeichnete die Jury in dieser Kategorie erstmals zusätzlich ein Konzept einer Handelszentrale aus: Seit mehr als 25 Jahren besteht die Kooperation zwischen Edeka Südwest und der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind – mit gleichem Mitspracherecht und gleichem Preis für rund 180 Bio-Betriebe im Süd- und Mittleren Schwarzwald.

    „Regionalität ist längst kein Nischenthema mehr, sondern der Nachhaltigkeitstrend mit der größten gesellschaftlichen Reichweite“, resümierten Röttig und Arden zum Abschluss des Kongressteils. Ob dieses Potenzial trage, entscheide sich an Vertrauen, Transparenz und der Verbindung von Regionalität mit Qualität, Genuss und Verantwortung. Röttig und Arden baten am Ende der Veranstaltung alle Preisträgerinnen und Preisträger sowie Nominierten gemeinsam auf die Bühne; im Anschluss klang der Abend beim Get-together aus.

    Wettbewerb zeichnet seit elf Jahren die besten Konzepte aus

    Die Lebensmittel Praxis und die Grüne Woche vergeben den Regional-Star seit elf Jahren und würdigen damit herausragende Konzepte zur Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten im Lebensmitteleinzelhandel. Kaufland und der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) unterstützen den Wettbewerb in diesem Jahr, Medienpartner sind top agrar und Hof Direkt.

    Der Jury des Branchenwettbewerbs Regional-Star 2026 gehören an: Marcus Arden, Redaktion Top Agrar; Stefanie Brehm, Inhaberin von mehreren Edeka-Märkten in Berlin; Josef Efken, Senior Scientist am Thünen-Institut für Marktanalyse; Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH); Lars Jaeger, Direktor Grüne Woche/Messe Berlin; Axel Kölle, Mitgründer und Leiter des ZNU – Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung an der Universität Witten/Herdecke; Fritz Konz, Leiter Qualität und Nachhaltigkeit bei Tegut; Stefan Leuer, Fachbereichsleiter Unternehmens- und Arbeitnehmerberatung, Agrar- und Buchführungsstatistik Landwirtschaftskammer NRW; Michaela Meyer, Geschäftsbereichsleiterin Nachhaltigkeit bei Edeka Südwest; Lutz Richrath, geschäftsführender Gesellschafter Rewe Richrath Supermärkte; Bettina Röttig, Redaktion Lebensmittel Praxis; Vanessa Schmelcher, Abteilungsleiterin Einkauf Regionalität bei Kaufland und Nicola Tanaskovic, Bereichsleitung Corporate Responsibility Rewe Group.

    Bilder zum Artikel

    Bild öffnen Hochkarätiger Gast: Agrarminister Alois Rainer (Mitte) im Gespräch mit den Redakteuren Bettina Röttig von der Lebensmittel Praxis und Marcus Arden von top agrar.
    Bild öffnen Auch Stefanie Sabet vom Bauernverband (Mitte) gab sich die Ehre.

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