Frühjahrsgutachten vorgelegt Wirtschaftsweise senken Wachstumsprognose für Deutschland

Die Wirtschaftsweisen werden pessimistischer: Das Bruttoinlandsprodukt soll 2026 nur um 0,5 Prozent wachsen, 2027 um 0,8 Prozent. Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise und belastet Verbraucher wie Unternehmen. Die Inflation werde in diesem Jahr auf 3 Prozent steigen, so der Sachverständigenrat rund um Monika Schnitzler (Foto). Bis 2040 könnten die Sozialversicherungsbeiträge auf fast 50 Prozent steigen.

Mittwoch, 27. Mai 2026, 10:50 Uhr
Manuel Glasfort
Monika Schnitzler ist Vorsitzende der Wirtschaftsweisen. Neben ihr gehören außerdem zum Gremium: Veronika Grimm, Achim Truger, Martin Werding und Gabriel Felbermayr. Bildquelle: Sachverständigenrat Wirtschaft

Die Wirtschaftsweisen haben ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt werde im laufenden Jahr preisbereinigt um 0,5 Prozent wachsen, im Jahr 2027 um 0,8 Prozent, teilte das Gremium in seinem Frühjahrsgutachten mit. Im November hatten die Fachleute noch ein Wachstum von 0,9 Prozent für 2026 erwartet. Der Iran-Krieg belaste die konjunkturelle Entwicklung, so das Gremium mit dem offiziellen Titel Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Die durch den Krieg gestiegenen Energiepreise erhöhten die Inflation und reduzierten damit die Kaufkraft der privaten Haushalte. Die Verbraucherpreisinflation werde in diesem Jahr voraussichtlich auf 3,0 Prozent steigen und im Jahr 2027 nur leicht auf 2,8 Prozent zurückgehen. Die hohen Energiekosten belasteten auch die Unternehmen, was die ohnehin rückläufige Industrieproduktion weiter verringere und die private Investitionstätigkeit hemme. Die öffentlichen Ausgaben aus dem Finanzpaket für Verteidigung und Infrastruktur dürften das Wirtschaftswachstum in Deutschland im Prognosezeitraum stützen.

Anstieg der Beitragssätze schwächt Konsum der Haushalte

Zusätzlich dämpfe der absehbare Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge das gesamtwirtschaftliche Wachstum, warnte der Rat. Der erwartete Anstieg des Gesamtbeitragssatzes werde das Bruttoinlandsprodukt bis zum Jahr 2035 um 0,5 Prozent bis 0,9 Prozent senken, verglichen mit einem Szenario ohne Beitragssatzsteigerungen. Mit dem Anstieg der Beitragssätze sinke das Nettoeinkommen der privaten Haushalte und deren Konsum gehe zurück. Höhere Beitragssätze verteuerten die Arbeitskosten der Unternehmen und verringerten die Nettoeinkommen der privaten Haushalte, wie die Wirtschaftsweisen betonen. 

Der Sachverständigenrat rechnet damit, dass die Beitragssätze der Sozialversicherungen bis zum Jahr 2040 auf fast 50 Prozent steigen werden. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz werde bei Fortschreibung der aktuellen Rechtslage auf 45,4 Prozent im Jahr 2030 und auf 49,7 Prozent bis zum Jahr 2040 klettern. „Der absehbare Anstieg der Ausgaben in den Sozialversicherungen sollte verlangsamt werden. Gleichzeitig gilt es, die Einnahmenbasis und das Leistungsniveau der Sozialversicherungen zu stabilisieren“, zitierte das Gremium seine Vorsitzende Monika Schnitzer in der Mitteilung.

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