Die Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments haben sich nicht auf ein Verbot von Bezeichnungen wie „Veggie-Burger“, „Tofu-Wurst“ oder „Soja-Schnitzel“ für vegetarische Produkte einigen können. Die Entscheidung wurde nach intensiven Verhandlungen in Brüssel auf einen späteren Zeitpunkt vertagt, wie Verhandlungsteilnehmer bestätigten. Wann die Gespräche fortgesetzt werden, steht noch nicht fest.
Im Raum steht ein Verbot solcher Begriffe, das mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten begründet wird. Die EVP-Fraktion, zu der auch CDU und CSU gehören, hatte den Vorstoß im EU-Parlament eingebracht. Federführend verantwortlich war die französische Abgeordnete Céline Imart. Konkret sollen Begriffe wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ nur noch für Tierprodukte verwendet werden dürfen. Deutsche Unionsabgeordnete stimmten in einer ersten Verhandlungsrunde mit wenigen Ausnahmen zwar gegen ein solches Verbot – eine ausreichende Mehrheit im Parlament gab es trotzdem. Damit die Vorgaben in Kraft treten können, ist aber eine Mehrheit auch unter den EU-Staaten nötig.
Deutschland hatte sich bereits klar gegen ein Verbot ausgesprochen. Bundesagrarminister Alois Rainer von der CSU sagte, ein Verbot würde „unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft“ sowie Bürokratie verursachen. „Ich stehe für Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur den Minister in der Mitteilung. Die niederländische Volt-Abgeordnete Anna Strolenberg, die an den Verhandlungen beteiligt war, kritisierte: „Das Verbot des Veggie-Burgers hilft keinem Landwirt. Es ist einfach nur kurzfristiger Populismus.“
Aldi, Lidl und Burger King wehren sich gegen das Verbot
Mehrere Handelsunternehmen – darunter die Discounter Aldi Süd und Lidl, die Burgerkette Burger King sowie Hersteller wie Beyond Meat – haben sich in einem gemeinsamen Brief gegen das Vorhaben ausgesprochen. Die vertrauten Begriffe böten Orientierung und ermöglichten bewusste Kaufentscheidungen, heißt es darin. Ein Verbot würde den Verkauf erschweren. Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Firmen müssten Produkte umbenennen und könnten sie womöglich nicht mehr so einfach vermarkten.
Jeder zweite Verbraucher in Deutschland befürwortet laut einer Anfang Oktober durchgeführten repräsentativen Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, dass Bezeichnungen wie Schnitzel oder Wurst ausschließlich für tierische Produkte verwendet werden dürfen und pflanzliche Alternativen andere Namen tragen müssen. 28 Prozent lehnen dies ab, 21 Prozent machten keine Angabe. Nur knapp jedem Vierten ist es wichtig, dass sich das EU-Parlament mit der Frage befasst. Bereits 2020 ging es im Europaparlament um die Veggie-Wurst: Damals entschieden die Abgeordneten, dass Fleisch-Ersatzprodukte weiterhin Bezeichnungen wie „Steak“ oder „Burger“ tragen dürfen.
