Fachkräftemangel Interim-Manager fordern konkrete Maßnahmen

Mehr als 500.000 Stellen bleiben in diesem Jahr unbesetzt, wie aus dem neuen „Wirtschaftsreport 2025“ hervorgeht. Bis 2027 sollen es demnach über 700.000 sein. Zehn führende Interim-Manager schlagen in dem Report konkrete Maßnahmen vor. Was aus ihrer Sicht nun getan werden muss. 

Montag, 10. November 2025, 11:50 Uhr
Thomas Klaus
Maßnahmenpaket: Interim-Manager haben sich Gedanken gemacht, wie die personelle Situation in der Wirtschaft entschärft werden kann. Bildquelle: Getty Images

Zehn führende Interim-Manager haben Vorschläge erarbeitet, wie Unternehmen und Politik auf den Fachkräftemangel reagieren sollten. Die Empfehlungen reichen von einer stärkeren Einbindung von Frauen über eine gezieltere Ansprache jüngerer Generationen bis hin zu einer schnelleren Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt. Dies geht aus dem „Wirtschaftsreport 2025“ hervor, den die Online-Plattform United Interim veröffentlicht hat.

Wertschöpfungsverlust von 50 Milliarden Euro

Im Jahr 2025 blieben durchschnittlich mehr als 500.000 Stellen unbesetzt, so United Interim. Bis 2027 sollen über 700.000 Stellen offen bleiben. Der Wirtschaft gingen dadurch mehr als 50 Milliarden Euro an Wertschöpfung pro Jahr verloren.

Für den Report befragte United Interim 550 Interim-Manager. Zehn von ihnen erarbeiteten die Vorschläge: Dr. Bodo Antonić, Ulvi Aydin, Ulf Camehn, Ruben Faust, Christian Florschütz, Eckhart Hilgenstock, Jane Enny van Lambalgen, Klaus-Peter Stöppler, Roland Streibich und Karlheinz Zuerl.

Personalwesen braucht höchste Priorität

Über drei Viertel der befragten Führungskräfte auf Zeit empfehlen, dem Personalwesen in Unternehmen höchste Priorität auf Vorstands- oder Geschäftsführungsebene einzuräumen. 63 Prozent raten, die Potenziale von Frauen stärker zu nutzen. Als Maßnahmen schlagen sie den Ausbau flexibler Arbeitszeitmodelle und Homeoffice-Optionen vor, außerdem flächendeckende und bezahlbare Kinderbetreuungsangebote sowie Förderprogramme für Frauen in Führungspositionen und in Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. „Dadurch könnten bis 2027 etwa 700.000 bis eine Million Frauen und bis 2030 rund 1,5 bis 2 Millionen Frauen stärker in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden“, erläuterte die Interim Managerin Jane Enny van Lambalgen. Diese Schätzung umfasse den Wiedereinstieg, die Aufstockung von Teilzeit auf Vollzeit und die Förderung in Managementpositionen sowie in Berufen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Maßgeschneiderte Ansprache empfehlenswert

Mehr als 80 Prozent der Interim Manager empfehlen Unternehmen, die Generationen X, Y und Z gezielter anzusprechen. Der Report analysiert die einzelnen Zielgruppen im Detail. Die Generation X schätze Stabilität und Fachwissen. 52 Prozent bevorzugten E-Mail-Kommunikation und persönliche Netzwerke. Die Generation Y lege Wert auf Flexibilität. 68 Prozent nutzten soziale Medien wie LinkedIn oder Instagram für Jobinformationen. Die Generation Z sei digital affin. 50 Prozent bevorzugten mobile Bewerbungen. „Durch maßgeschneiderte Kommunikationskanäle und individualisierte Ansprache lassen sich die Rekrutierungserfolge für diese Gruppen um bis zu 30 Prozent steigern“, meinte Interim Manager Ulvi Aydin.

Migranten schneller in Arbeitsmarkt eingliedern

Über die Hälfte der befragten Interim-Manager hält eine verlängerte Lebensarbeitszeit für eine Kernmaßnahme, um die Folgen des Fachkräftemangels einzudämmen. Mehr als ein weiteres Drittel sieht darin zumindest einen wesentlichen Aspekt.

Als Beispiel nennt der Report das Konzept der sogenannten Aktivrente. Diese Maßnahme solle Erwerbstätigkeit im Rentenalter finanziell lohnender machen. Wer über die Rente hinaus arbeite, könne bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Dieser Betrag werde nicht auf die Rente angerechnet und unterliege auch keinen Sozialabgaben.

Weit mehr als drei Viertel der Interim-Manager plädieren für politische Weichenstellungen, um Migranten schneller in sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze einzugliedern. 43 Prozent halten dies angesichts der rückläufigen heimischen Bevölkerungsentwicklung für unabdingbar.

Das sogenannte Erwerbspersonenpotenzial werde in den nächsten zehn Jahren um über 7 Millionen Personen schrumpfen, heißt es in dem Report. Dies entspreche einem Rückgang von etwa 15 Prozent gegenüber 2020. Nur mit einer jährlichen Nettozuwanderung von 400.000 Personen bliebe das Arbeitskräfteangebot bis 2060 nahezu konstant.

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