Der deutsche Handel tut sich beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) noch schwer. Zwei Drittel der Handelsunternehmen bewerten die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter als niedrig oder eher niedrig. Zudem beklagen 67 Prozent der Händler die Integration von Datenquellen für den KI-Einsatz als schlecht oder eher schlecht, wie eine Studie des EHI Retail Institute ergab. Nur 13 Prozent der Unternehmen bescheinigen eine gute oder eher gute Integration ihrer Datenquellen.

Die Handelsunternehmen setzen KI vor allem für die Personalisierung von Angeboten, den Kundenservice und die Store Experience ein. Auch in der Marketing-Automatisierung und bei Nachfrageprognosen kommt die Technologie zum Einsatz. Die Händler sehen in KI-Projekten mit Kundenfokus einen wichtigen Faktor zur Differenzierung im Wettbewerb. „Mit generativer KI hat das Thema noch einmal Fahrt aufgenommen. Neu ist dabei weniger die Technologie selbst, sondern die strategische Frage, wie Unternehmen KI wirksam und ganzheitlich einsetzen“, erklärte EHI-Experte Tobias Röding laut der Mitteilung.
Die Händler haben nach eigenen Angaben bereits reagiert. Alle befragten Unternehmen haben ein KI-Regelwerk erstellt und wollen bis Ende 2025 Schulungskonzepte einführen. 53 Prozent bauen ein Multiplikatoren- oder Ambassador-Programm auf. 32 Prozent nutzen bereits eine eigene Lernplattform mit KI-Fokus. „Wir haben sogenannte AI-Champions. Sie treiben das Thema und sind die Multiplikatoren in den Business Units“, zitierte das EHI eine Studienteilnehmerin. Während sich 16 Prozent der Händler als Vorreiter beim KI-Einsatz sehen, befinden sich 15 Prozent noch in der Phase des Aufbaus erster organisatorischer Strukturen.
Cloud-Anbieter dominieren KI-Infrastruktur im Handel
Zwei Drittel der befragten Händler nutzen für ihre KI-Anwendungen die Cloud-Dienste großer Technologiekonzerne wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder Google Cloud. Diese Dienste werden vor allem wegen ihrer Skalierbarkeit und schnellen Integration geschätzt. 21 Prozent der Unternehmen legen nach Angaben des EHI Wert darauf, dass die Daten ausschließlich oder überwiegend auf europäischen Servern gespeichert werden. Einige Handelsunternehmen setzen auf hybride Multi-Cloud-Strategien, um sensible Daten besser zu schützen. Die Händler sorgen sich vor allem um einen möglichen Kontrollverlust, Abhängigkeiten von globalen Anbietern und eine zweckentfremdete Datennutzung.
„Die größten Barrieren für den erfolgreichen Einsatz von KI liegen weniger in der Technologie selbst als in der Qualität, Konsistenz und strukturellen Einbettung der Datenprozesse“, erläuterte EHI-Expertin Imke Hahn, die an der Studie mitgearbeitet hat. Für die Untersuchung befragte das EHI 38 Verantwortliche aus führenden Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die befragten Unternehmen betreiben zusammen rund 39.000 Filialen.
