Verbraucherverhalten Deutsche planen trotz Inflation höhere Konsumausgaben

Mehr als jeder vierte deutsche Verbraucher will seine Ausgaben in den kommenden Monaten erhöhen. Laut einer Studie der Boston Consulting Group orientieren sich Konsumenten dabei vor allem an ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation. Bei nicht-notwendigen Produkten sparen die Verbraucher gezielt.

Mittwoch, 06. August 2025, 11:23 Uhr
Theresa Kalmer
Einkäufe für Produkte des täglichen Bedarfs sind von der wirtschaftlichen Unsicherheit kaum beeinträchtigt,
doch nicht-notwendige Kategorien geraten unter Druck.
Bildquelle: Getty Images

Viele deutsche Verbraucher planen trotz Krisenstimmung höhere Ausgaben. 27 Prozent wollen in den kommenden Monaten mehr Geld ausgeben, wie eine aktuelle Studie der Strategieberatung Boston Consulting Group zeigt. Die Verbraucher äußern sich zwar besorgt über Inflation und Konjunktur, handeln aber vor allem auf Basis ihrer persönlichen wirtschaftlichen Situation.

„Verbraucherinnen und Verbraucher sind schlicht keine verlässlichen Prognostiker der großen Wirtschaftslage – und ihre angekündigten Reaktionen auf diese Trends sind es ebenso wenig“, erläutert Marcus Kroth, Partner und Handelsexperte bei Boston Consulting Group, laut der Mitteilung. Die Konsumenten orientieren sich nach Angaben der Strategieberatung hauptsächlich an konkreten Faktoren wie Einkommen, Ersparnissen und der Preisentwicklung im Supermarkt. Drei Viertel der Befragten rechnen mit weiteren Preissteigerungen durch neue Zölle oder globale Angebotsengpässe.

Die Studie zeigt, dass die Verbraucher nicht in allen Bereichen gleichermaßen sparen, sondern strategisch vorgehen. Produkte des täglichen Bedarfs wie frische Lebensmittel und Körperpflegeprodukte bleiben von Einsparungen weitgehend verschont. Bei nicht-notwendigen Produkten wie Spielzeug, dekorativer Kosmetik oder Haushaltsgeräten greifen die Konsumenten hingegen häufiger zu günstigeren Alternativen oder kaufen seltener. „Das ist kein bloßes Bauchgefühl, sondern strategisches Verhalten mit gezielter Priorisierung und bewusstem Sparen, wo es möglich ist“, erklärt Kroth in der Mitteilung.

Einkommensschwache Haushalte sparen verstärkt

74 Prozent der Befragten wollen ihr Konsumverhalten bei weiteren Preissteigerungen anpassen, teilte Boston Consulting Group mit. Die geplanten Reaktionen reichen vom Verzicht auf Markenartikel bis zum vollständigen Verzicht auf bestimmte Produkte. Menschen mit niedrigem Einkommen sparen der Studie zufolge bereits jetzt deutlich stärker – sowohl bei der Häufigkeit als auch bei der Produktauswahl. Verbraucher mit höherem Einkommen zeigen sich hingegen weniger zurückhaltend und leisten sich weiterhin auch spontane oder markenorientierte Käufe.

Die Strategieberatung empfiehlt Händlern und Herstellern, die Dynamiken in einzelnen Kategorien präzise zu analysieren und ihre Portfoliostrategie flexibel anzupassen. Für die Studie befragte Boston Consulting Group im Juni 2025 mehr als 1.000 Konsumenten in Deutschland. Die Erhebung ist Teil einer vierteljährlichen Untersuchung in 24 Märkten weltweit. Das Beratungsunternehmen erzielte nach eigenen Angaben im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar (11,6 Mrd. Euro).

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