Ladendiebstahl Langfinger sorgen für Milliardenschäden

Der deutsche Einzelhandel verzeichnet 2024 Verluste durch Ladendiebstahl in Höhe von 2,95 Milliarden Euro. Ein Drittel des Schadens geht auf organisierte Kriminalität zurück. Die Kosten für Diebstähle und Prävention von 7,3 Milliarden Euro werden auf die Verbraucher umgelegt.

Dienstag, 24. Juni 2025, 09:35 Uhr
Theresa Kalmer
Schnaps, Rasierklingen und Parfüm sind bei Ladendieben besonders beliebt. Die Händler verzeichnen damit das dritte Jahr in Folge höhere Verluste. Bildquelle: Getty Images

Der Einzelhandel in Deutschland hat im Jahr 2024 Verluste durch Ladendiebstahl in Höhe von 2,95 Milliarden Euro verzeichnet. Dies entspricht einem Anstieg von 4,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das EHI Retail Institute mitteilte. Der Anstieg fällt damit geringer aus als 2023, als die Verluste noch um 15 Prozent zugenommen hatten.

Die gesamten Inventurverluste im Einzelhandel belaufen sich laut der Studie „Inventurdifferenzen 2025“ auf 4,95 Milliarden Euro bei einem Bruttoumsatz von rund 495 Milliarden Euro. Dies bedeutet eine Steigerung um rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das durchschnittliche Niveau der prozentualen Inventurdifferenzen hat sich von 0,63 Prozent auf 0,64 Prozent vom Nettoumsatz verschlechtert. Neben den Diebstählen durch Kunden entstehen weitere Verluste durch Mitarbeiter (890 Millionen Euro) sowie durch Personal von Lieferanten und Servicefirmen (370 Millionen Euro). „Trotz Warensicherung und Mitarbeiterschulungen wird im Handel gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist“, erklärte EHI-Experte Frank Horst in der Mitteilung.

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Besonders besorgniserregend entwickelt sich der organisierte Ladendiebstahl. Rund ein Drittel des Gesamtschadens - fast eine Milliarde Euro – geht auf das Konto von beauftragten Einzeltätern oder Banden mit gezielter Aufgabenverteilung. Dies bedeutet eine Steigerung um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zu den besonders gefährdeten Produkten zählen alkoholische Getränke, Markenkleidung, Sneakers, Elektrogeräte sowie Tabakwaren. In Drogerien werden nach Angaben des EHI vor allem Parfüms, Kosmetik, Babynahrung und Rasierklingen entwendet. „Es gibt immer mehr Leute, die sich bestimmte Produkte nicht mehr leisten können oder wollen – auch aus Protest gegen die Preise“, erläuterte Horst. Der EHI-Experte beobachtet zudem, dass „immer häufiger auch Senioren und Familien“ Waren entwenden.

EHI-Institut warnt vor hoher Dunkelziffer

Die Dunkelziffer bei Ladendiebstählen ist erheblich. Das EHI schätzt, dass 98 Prozent aller Diebstähle unentdeckt bleiben. Dies entspricht etwa 24,5 Millionen nicht erkannten Ladendiebstählen pro Jahr mit einem durchschnittlichen Warenwert von jeweils 120 Euro. Der Einzelhandel investiert nach eigenen Angaben jährlich rund 1,6 Milliarden Euro in Sicherheitsmaßnahmen wie Artikelsicherung, Kameraüberwachung, Detektiveinsätze, Testkäufe und Mitarbeiterschulungen. Jeder vierte Händler hat sein Budget für Sicherungsmaßnahmen erhöht. Rechnet man die internen Aktivitäten wie Bestandskontrollen, Datenanalysen und Diebstahlsanzeigen hinzu, entstehen weitere Kosten von 1,5 Milliarden Euro.

Mehr Schwund durch Selbstbedienungskassen

Die Kosten für Diebstähle und deren Prävention summieren sich auf insgesamt 7,3 Milliarden Euro. Diese Summe müssen letztlich die Verbraucher tragen – sie schlägt sich mit etwa 1,5 Prozent in den Verkaufspreisen nieder. Drei von vier Händlern erwarten laut der EHI-Umfrage eine weitere Zunahme des Kundendiebstahls. Ein Grund für die starke Zunahme seit 2022 liegt nach Einschätzung von Experten in der verstärkten Nutzung von Selbstbedienungskassen. Fast die Hälfte der Händler, die solche Kassen einsetzen, berichten über mehr Schwund. Personalmangel und lange Öffnungszeiten erschweren zudem die Überwachung der Geschäfte.

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