Die Lebensmittelwirtschaft in Deutschland steht vor wachsenden Herausforderungen im Bereich Sicherheit und Resilienz. Aber besonders unterschätzt sie das Risiko eines längerfristigen Ausfalls kritischer Infrastrukturen durch physische Angriffe oder Naturkatastrophen, wie Holger Berens glaubt, Vorsitzender des Bundesverbandes für den Schutz kritischer Infrastrukturen. Dies, so fürchtet er, könnte schnell zu Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln führen und die Bevölkerung unmittelbar treffen.
Verstärkte staatliche Anstrengungen erforderlich
Um diesen Bedrohungen zu begegnen, fordert Berens im Gespräch mit der Lebensmittel Praxis verstärkte Anstrengungen seitens des Staates. Dazu zählen Investitionen in den Schutz physischer Infrastrukturen wie Logistikzentren, Wasser- und Energieanlagen sowie Verkehrsknotenpunkte. Zudem benötige die Lebensmittelwirtschaft klare Informationen und finanzielle Unterstützung für den Aufbau eigener Notfallpläne und Lagerhaltungskapazitäten, so der Verbandschef.
Handlungsbedarf beim KRITIS-Dachgesetz
Holger Berens begrüßt das geplante KRITIS-Dachgesetz zum Schutz kritischer Infrastrukturen auch der Ernährungsbranche als wichtigen Schritt, da es erstmals eine bundeseinheitliche Grundlage für den Schutz kritischer Infrastrukturen schaffe. Allerdings sieht er noch Handlungsbedarf bei der praktischen Umsetzung. „Die Übergangsfristen sind recht lang, und viele Betriebe wissen noch nicht genau, welche Investitionen sie priorisieren müssen“, lautet die Kritik.
Mehr Transparenz beim Operationsplan Deutschland
Mit dem „Operationsplan Deutschland“ der Bundeswehr kommen aus Sicht von Berens neue Herausforderungen auf die Lebensmittelwirtschaft zu. Der Plan regelt die zivil-militärische Zusammenarbeit. Dies könnte zu staatlichen Eingriffen bei der Verteilung von Ressourcen, bei Transporten oder bei Personalmaßnahmen führen. „Hier braucht es dringend transparente Informationen, damit Unternehmen wissen, was konkret auf sie zukommt“, fordert der Vorsitzende.
Die Lebensmittelwirtschaft betont die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft, um die Resilienz der Branche zu stärken. Nur so lasse sich sicherstellen, dass die Versorgung der Bevölkerung auch in Krisenzeiten gewährleistet bleibt.
