Der Kreditversicherer Allianz Trade erwartet für 2024 einen deutlichen Anstieg der Firmenpleiten in Deutschland. Das Unternehmen rechnet mit rund 21.500 Insolvenzen, was einem Zuwachs von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, wie es mitteilte.
Besonders beunruhigend ist die hohe Zahl an Großinsolvenzen. Im ersten Halbjahr 2024 meldeten bereits 40 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro Insolvenz an. Dies stellt laut Allianz Trade den höchsten Wert zum Halbjahr seit 2015 dar und bedeutet einen Anstieg von über einem Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
„Aktuell gilt häufig: Wenn es kracht, dann richtig“, sagte Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er warnte vor einem möglichen Dominoeffekt auf Unternehmen in der gesamten Lieferkette. Der kumulierte Umsatz der großen Pleiten belief sich in den ersten sechs Monaten 2024 auf 11,6 Milliarden Euro, was bereits über dem Gesamtschaden für das Jahr 2023 liegt. Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen – und damit auch die Schäden für die betroffenen Lieferanten – lag bei 290 Millionen Euro. Das sei ein Plus von 85 Prozent.
Viele Insolvenzen vor allem im Baugewerbe und im Einzelhandel
Besonders betroffen sind laut Allianz Trade das Baugewerbe und der Einzelhandel. Als Gründe für die Insolvenzwelle nannte Bogaerts unter anderem Schwierigkeiten bei der Rückzahlung von Corona-Darlehen, restriktivere Kreditvergaben und die aktuelle Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Auch die weiterhin hohen Container-Frachtraten bereiten vielen Unternehmen angesichts des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts Sorgen.
Für das Jahr 2025 prognostiziert Allianz Trade einen moderaten Zuwachs der Insolvenzen um weitere zwei Prozent auf etwa 22.000 Fälle. Damit würden die Fallzahlen Ende 2024 etwa 15 Prozent über dem Niveau des letzten Vor-Corona-Jahres 2019 liegen.
