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Lebensmitteleinzelhandel Das Hamstern lässt allmählich nach

Lebensmittel Praxis | 14. April 2020
Lebensmitteleinzelhandel: Das Hamstern lässt allmählich nach
Bildquelle: Carsten Hoppen

Das Einkaufsverhalten im Lebensmitteleinzelhandel hat sich in der letzten Märzwoche vorerst beruhigt. Vollsortimenter profitieren weiter, während Discounter verlieren.

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Die Umsätze wuchsen in der 13. Kalenderwoche (23.-29.3.) nur noch um 4 Prozent gegenüber der vergleichbaren Vorjahreswoche, heißt es von der Information Resources GmbH (IRI). Einzelne Warengruppen zeigen allerdings immer noch deutliche Schwankungen – nach oben und nach unten. Laut dem „IRI Corona Tracker“ legten vor allem Hygieneartikel und Grundnahrungsmittel trotz eines deutlichen Rückgangs der Umsatzdynamik weiterhin zu. Mit Kaffee-Ersatz (-38 Prozent) und Babynahrung (-42 Prozent) erlebten zwei ehemalige Hamsterkauf-Produkte erstmals eine negative Entwicklung.

 „Das nur noch vierprozentige FMCG-Wachstum in KW 13 lässt sich vor allem auf das in dieser Woche ausgesprochene Kontaktverbot, die Schließung aller nicht-lebensnotwendigen Geschäfte, Maßnahmen wie Einlasskontrollen und geregelte Abgabemengen zurückführen. Zudem hatten viele Verbraucher ihre Vorräte bereits in den Vorwochen aufgestockt und waren also versorgt“, so Sandra Lungu, Daten-Expertin bei IRI. Manche Produkte – wie Klopapier – waren aber auch schlichtweg nicht mehr verfügbar in vielen Geschäften. Toilettenpapier verzeichnete mit nur noch +24 Prozent denn auch eine deutlich geringere Wachstumsrate als noch in den Vorwochen. Artikel wie Düfte wurden in der Krise kaum noch nachgefragt. Die Umsätze halbierten sich fast.

 Sebastian Hendricks, ebenfalls Daten-Experte bei IRI, sieht das Vertrauen der Deutschen in die Lieferketten zurückkehren: „Die extremen Hamsterkäufe Mitte März mit einem Umsatzplus von nahezu 40 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche waren sicherlich auch getrieben von der Angst, es könne zu Engpässen und Lieferschwierigkeiten im Lebensmitteleinzelhandel kommen. Diese Angst ist den Verbrauchern genommen worden.“ Zudem sei extremes Hamstern in den Medien scharf verurteilt worden. „Das alles hat bewirkt, dass sich das Einkaufsverhalten im stationären Einzelhandel insgesamt weitgehend normalisiert hat“, so Hendricks.

 Bei den einzelnen Warengruppen zeigen sich allerdings gravierende Unterschiede. Manche Warengruppen werden immer noch verstärkt gekauft, andere kaum noch. Die Top-3-Kategorien in KW 13 waren Haushaltshandschuhe mit +219 Prozent, feuchte Reinigungstücher mit +191 Prozent sowie Hygiene- und Sanitärreiniger mit +169 Prozent. Insgesamt ging die Dynamik über alle Warengruppen hinweg allerdings zurück.

Bei den Vetriebsschienen zeigte sich in KW 13 folgendes Bild: Während der traditionelle Lebensmitteleinzelhandel (+11,3 Prozent) und die Verbrauchermärkte (+9,1 Prozent) weiterhin zulegten, schwächelten die Markendiscounter und die Drogerien drehten mit -16 Prozent sogar ins Minus. Sandra Lungu sieht diese Entwicklung einerseits begründet im Trend zum One-Stop-Shopping. Der Verbraucher möchte mit nur einem Einkauf seinen Bedarf decken und seine Shoppingstrips reduzieren, um so Kontakte und Risiko zu minimieren. Das bedeute natürlich einen Vorteil für die Vollsortimenter. „Andererseits spielen hier sicherlich auch die fehlende Verfügbarkeit gefragter Güter sowie die Abwanderung zu Online bzw. Click & Collect eine Rolle“, so Lungu weiter.

 Wie in jedem Jahr rechnen die Marktforscher von IRI in der Vor-Osterwoche mit höheren Umsätzen. Ostern war 2019 eine Woche später, dieser saisonale Kalendereffekt wird sich in den Zahlen widerspiegeln. „Wir rechnen Ostern 2020 aber damit, dass die üblichen Warengruppen weniger stark vom Oster-Peak profitieren werden wegen der ausfallenden Osterfeierlichkeiten. Viele Großeltern zum Beispiel werden wahrscheinlich weniger Süßigkeiten für ihre Enkel kaufen, weil diese sie nicht besuchen kommen können“, vermutet Sebastian Hendricks.