Convenience Im Veggie Hype - Im Veggie Hype: Teil 2

Der Umsatz mit Convenience-Food im Lebensmittel-Einzelhandel wächst weiter kontinuierlich. Hinzu kommt, dass die Warengruppein fast allen Segmenten gewinnt: Vor allem aber ist Abwechslung in diesem Segment nach wie vor Trumpf.

Mittwoch, 04. Oktober 2017 - Sortimente
Thomas Klaus
Artikelbild Im Veggie Hype - Im Veggie Hype: Teil 2
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Inhaltsübersicht

Umsatzbringer sind vegetarisch
Mittlerweile bekräftigen mehrere Studien und Untersuchungen, dass der LEH die Entwicklung bei den vegetarischen und veganen Angeboten weiterhin ernst nehmen und angemessen auf sie reagieren sollte – wenn ihm das laute „Kasseklingeln“ lieb ist. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist zum Beispiel der im vergangenen Jahr publizierte Branchenreport des Institutes für Handelsforschung (IFH) Köln. Er stellt fest, dass insbesondere die drei umsatzstärksten Warengruppen zwischen 2010 und 2015 deutliche Umsatzgewinne verzeichnen konnten. Die lagen im Jahresdurchschnitt bei fast 17 Prozent. Diese Umsatzbringer sind vegetarische und vegane Fleisch- und Milchalternativen sowie der Bereich Frühstück. Molkereiinnovationen zeigten dabei die größte Dynamik, gefolgt von Fleischalternativen.

Bequem zubereitet

In der Pfanne geht es schneller. Chilled Food- Produkte sind klar auf dem Vormarsch und Absatzrückgänge im klassischen Konservenbereich ein Indiz dafür, meint man beim Hersteller Bürger. Der bietet neu Emmentaler Maultaschen mit einer Füllung aus Schweinefleisch und Emmentaler, eingerollt in feinem Nudelteig. Die Zubereitung sei simpel: einfach in der Brühe oder in Scheiben geschnitten in der Pfanne: „Wir merken, dass eine schnelle Zubereitung in der Pfanne kontinuierlich größeren Anklang findet.“ Die Emmentaler Maultaschen ergänzen das Teilsortiment „Die Gerollten“.

Vom Aussenseiter zum Mainstream
Der IFH-Branchenreport „Vegetarisch & Vegan: Modeerscheinung oder nachhaltiger Wachstumsimpuls?“ betont ferner – wie andere Untersuchungen und Umfragen vor und nach ihm – die tragende Rolle der Flexitarier. Hauptabnehmer von Fleischalternativen in Deutschland sind diejenigen, die sich überwiegend fleischlos ernähren – aber die trotzdem hin und wieder zu Wurst, Steak und Co. mit hoher Qualität greifen. Das IFH beziffert die Zahl der Flexitarier mit knapp 24 Prozent. Eine Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr sieht die Flexitarier-Quote sogar bei knapp 50 Prozent. Somit würden in Deutschland erstmals mehr Menschen leben, die sich flexitarisch ernähren als Personen, die uneingeschränkt alles essen.

Das Wachstum im Veggie-Markt setzt sich fort, prognostiziert das Institut für Handelsforschung. Vegan wird bedeutsamer. Studien von Mintel unterstreichen das. Sie heben vor allem darauf ab, dass sich die Bundesrepublik bei den Produktneueinführungen veganer Lebensmittel und Getränke mit 18 Prozent weltweit an die Spitze gesetzt hat (USA: 17 Prozent, Großbritannien: 10 Prozent). Katya Witham, Senior Food and Drink Analyst bei Mintel, lässt sich so zitieren: „Vegane Produkte entwickeln sich als eines der am schnellsten wachsenden Segmente in der deutschen Lebensmittel- und Getränkebranche vom Außenseiter zum Mainstream.“ Sehr erfolgreich zögen sie die Aufmerksamkeit einer „viel größeren, gesunden und ethisch motivierten, flexi-veganen Verbraucherbasis“ auf sich.

Free-from-Produke
Die „eingefleischten“ Vegetarier und Veganer vertrauen laut IFH-Branchenreport wie die Flexitarier darauf, dass sie dort fündig werden können, wo sie ihre übrigen Einkäufe erledigen – der vielleicht größte Hoffnungsschimmer für den LEH im IFH-Branchenreport. Veggie-Kost ist gesellschaftsfähig geworden. Das trifft ebenfalls auf andere Free-from-Produkte zu, was sich an neuen Convenience-Produkten zeigt. „Free from“ – das umfasst Zuckerfreiheit, Laktosefreiheit, Glutenfreiheit und den Verzicht auf Zusatzstoffe. Den Trend bestätigt auch Sabine Eichner, die Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühl-Instititutes (dti). Die „Free-from“-Produkte seien Wachstumstreiber bei den Tiefkühl-Produkten im LEH. „Der gesamte Umsatz mit TK-Produkten im Handel stieg 2016 um 2 Prozent auf 7,5 Mrd. Euro“, berichtet die dti-Managerin. Für 2017 wird ebenfalls mit einem Plus gerechnet. Im ersten Halbjahr 2017 zeigten TK-Backwaren, TK-Fischstäbchen und TK-Kartoffelprodukte sowie TK-Obst einen deutlichen Aufwärtstrend.

Die langsame, aber stetige Resonanz in punkto „Free from“ führen Ernährungsexperten und Branchenkenner neben gesundheitlichen Aspekten auf „zeitgeistige“ und philosophische Gesichtspunkte zurück, konkret: Die Lebensumstände und die Welt als solche werden komplexer.

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