Wirtschaft im Visier Jedes fünfte Unternehmen spürt hybride Bedrohungen aus dem Ausland

Cyberangriffe, Spionage und Sabotage treffen laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bereits 20 Prozent der Unternehmen in Deutschland. Viele reagieren mit höheren IT-Ausgaben, doch Notfallpläne für den Ausfall kritischer Infrastruktur fehlen oft. Besonders betroffen sind die Energie- und Wasserversorgung sowie die Lebensmittelbranche.

Montag, 07. September 2026, 09:23 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Besonders Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten nehmen hybride Bedrohungen aus dem Ausland wahr. Bildquelle: Getty Images

Jedes fünfte Unternehmen in Deutschland spürt nach eigenen Angaben Auswirkungen sogenannter hybrider Bedrohungen aus dem Ausland. Das geht aus einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, an der 1.041 Unternehmen teilnahmen. Zu den Bedrohungen zählen Cyberangriffe, Desinformation, Spionage und Sabotage. Betroffene Unternehmen sehen sich den Angaben zufolge etwa gezwungen, ihren Werkschutz auszubauen, oder erleben Einschränkungen im laufenden Geschäft.

Besonders größere Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten nehmen die Bedrohung wahr, wie das Institut der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Nach Branchen betrachtet schätzen Unternehmen aus den Bereichen Information und Kommunikation die Risiken am höchsten ein. Dahinter folgen die Energie- und Wasserversorgung sowie die Entsorgungswirtschaft. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte laut der Mitteilung zuletzt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt, die Bedrohungslage habe in den vergangenen zwölf bis achtzehn Monaten deutlich zugenommen. Er fordert demnach einen zivilen Operationsplan, um die Strom- und Wasserinfrastruktur sowie die Lebensmittelversorgung in Krisenfällen zu schützen.

Die Wirtschaftsforscher ziehen aus ihren Ergebnissen klare Schlüsse: „Dies erfordert eine neue Abwehrbereitschaft“, heißt es in der Mitteilung des Instituts. Zwar hätten viele Unternehmen mehr in IT-Sicherheit und digitale Infrastruktur investiert. Doch nur ein kleiner Teil habe die eigene Energieversorgung besser abgesichert oder Notfallpläne für den Ausfall kritischer Infrastruktur erstellt.

IW kritisiert fehlenden Austausch mit Sicherheitsbehörden

Das Institut kritisiert zudem fehlenden Austausch zwischen Unternehmen und Sicherheitsbehörden sowie vielerorts einen unzureichenden Werkschutz. Die Regelungen seien uneinheitlich, die Abstimmungswege diffus. Auch ein im März in Kraft getretenes Kritis-Dachgesetz, das den Schutz kritischer Infrastruktur verbessern soll, bleibe den Angaben zufolge hinter den Anforderungen zurück.

Das Institut der deutschen Wirtschaft warnt vor den Folgen mangelnder Vorbereitung: „Die mangelnde Vorbereitung hat eine destabilisierende Wirkung auf die Funktionsfähigkeit von Wirtschaft und Gesellschaft.“ Angriffe verursachten erhebliche Kosten, erhöhten die Unsicherheit und könnten zu Produktionsausfällen führen. Für den Lebensmittelhandel dürften die Ergebnisse besonders relevant sein, da sowohl die Energieversorgung als auch die Lebensmittelversorgung zu den gefährdeten Bereichen zählen.

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