Digitale Infrastruktur Schwarz-Gruppe investiert 5,6 Milliarden Euro in Rechenzentrum bei Rostock

Der Lidl-Mutterkonzern baut in Mecklenburg-Vorpommern ein großes Datenzentrum für 5,6 Milliarden Euro. Die Schwarz-Gruppe will sich damit als europäische Alternative zu Amazon und Microsoft positionieren. Allein die IT-Sparte des Handelsriesen setzt bereits 2,2 Milliarden Euro um.

Donnerstag, 27. August 2026, 11:09 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Schwarz Digits ist eine vergleichsweise kleine, aber wachsende Gesellschaft der Schwarz-Gruppe. Bildquelle: Schwarz-Gruppe

Die Schwarz-Gruppe will 5,6 Milliarden Euro in den Bau eines Rechenzentrums in Dummerstorf bei Rostock investieren. Bis 2033 soll dort ein Datenzentrum mit einer Kapazität von 240 Megawatt entstehen, wie das Unternehmen mitteilte. In Brandenburg errichtet der Handelskonzern bereits ein ähnliches Projekt – dort liegen die Investitionskosten bei elf Milliarden Euro.

Die Schwarz-Gruppe, Mutterkonzern der Handelsketten Lidl und Kaufland, baut seit Jahren ihre IT-Sparte Schwarz Digits aus. Diese erzielte im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr nach Unternehmensangaben einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Wachstum führte das Unternehmen vor allem auf die steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten zurück. Schwarz Digits ist eine von fünf Sparten der Gruppe, die zuletzt einen Gesamtumsatz von 185,6 Milliarden Euro auswies. Schwarz will sich nach eigener Darstellung als europäische Alternative zu Anbietern wie Amazon Web Services und Microsoft Azure positionieren und zum sogenannten Hyperscaler werden.

„Digitale Souveränität entsteht nicht durch Appelle oder Reden. Sie entsteht durch Handeln, durch verlässliche Infrastruktur und durch praxistaugliche Anwendungen“, sagte Konzernchef Gerd Chrzanowski laut Mitteilung. Die Kapazitäten des neuen Rechenzentrums sollen zunächst für den eigenen Bedarf der Schwarz-Gruppe genutzt werden – etwa für Daten aus Liefer- und Bestellprozessen, Bezahlvorgängen und Kundenbindungsprogrammen. Bis 2045 könnte die Anlage dem Unternehmen zufolge auf eine Anschlussleistung von einem Gigawatt ausgebaut werden.

Schwarz-Gruppe setzt auf Windstrom und Abwärme-Nutzung

Als Grund für die Standortwahl nannte das Unternehmen die hohe Verfügbarkeit von Strom aus Windkraft an der Ostseeküste. Mecklenburg-Vorpommern deckt mehr als die Hälfte seines Stromverbrauchs aus Windenergie und produziert rechnerisch sogar deutlich mehr, als es selbst verbraucht. In Dummerstorf gibt es einen Anschluss an das Höchstspannungsnetz, was einen effizienten Stromtransport ermöglicht. Zudem begünstige das Klima eine wirkungsvolle Kühlung der Server, teilte Schwarz mit. Mit den Rostocker Stadtwerken unterzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Absichtserklärung zur Nutzung der Abwärme für die Wärmeversorgung der Hansestadt.

Während der Bauphase sollen laut dem Unternehmen Tausende Arbeitsplätze entstehen, im laufenden Betrieb dann 120 Stellen für Hochqualifizierte. Der Bau von Rechenzentren ist allerdings nicht unumstritten: In den USA sorgen der hohe Strom- und Wasserverbrauch sowie die Lärmbelastung solcher Anlagen für Konflikte. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), aktuell im Schlussspurt des Landtagswahlkampfs, betonte die Vorteile günstiger Windenergie für die Ansiedlung neuer Industrien im Land.

Neue Produkte

Videos vom Supermarkt des Jahres 2026 - Nominierte und Gewinner