Anlässlich des Reformgipfels der Bundesregierung warnt der Deutsche Mittelstands-Bund vor einer zunehmenden Investitions- und Innovationsblockade bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dieser Befund wird aus Verbandssicht vom DMB-Risiko-Report Mittelstand 2026 untermauert. Der Verband hat für den Report zusammen mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht erstmals systematisch die Zukunftsrisiken von KMU erfasst.
Hintergrund: Am heutigen Mittwoch treffen sich Bundesregierung, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften in Berlin. Sie wollen Schnittmengen für ein umfassendes Reformpaket finden.
Gleichzeitigkeit mehrerer Risiken belastet
Der DMB-Risiko-Report Mittelstand 2026 basiert auf einer bundesweiten Befragung von 1.071 Unternehmern im Zeitraum zwischen Januar und April 2026. Befragt wurden Inhaber und Geschäftsführer von Kleinst-, Klein- und Mittelstandsunternehmen. Unter KMU fallen in der EU Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und weniger als 50 Millionen Euro Umsatz.
Die Studie macht nach DMB-Auffassung deutlich: Nicht ein einzelnes Problem belastet KMU, sondern die Gleichzeitigkeit mehrerer Risiken. Überbordende Bürokratie (nennen 65 Prozent der Befragten), hohe Energiepreise (62,9 Prozent), der Fachkräftemangel (56,3 Prozent) und regulatorische Anforderungen (57,1 Prozent) zählen zu den größten Belastungsfaktoren.
Immer mehr KMU können keine Zukunft mehr gestalten
„Mit dem Risiko-Report machen wir auf der Grundlage einer umfassenden Datenbasis die oft als diffus empfundenen Zukunftsrisiken von Unternehmen erstmals greifbar. Die zentrale Herausforderung des Mittelstands besteht darin, dass immer mehr Unternehmen ihre Ressourcen darauf verwenden müssen, Stabilität zu sichern, statt Zukunft zu gestalten“, sagt Marc S. Tenbieg, geschäftsführender Vorstand des DMB.
Besonders kritisch bewertet der DMB die langfristigen Folgen dieser Entwicklung. Der Risiko-Report zeigt, dass viele Unternehmen notwendige Investitionen in Digitalisierung, Innovation, Energieeffizienz oder Unternehmensentwicklung verschieben, weil finanzielle und personelle Spielräume fehlen.
Mehr als die Hälfte erwartet verschärfte Risikofelder
„Auch wenn es ein Dilemma ist: Wer heute notwendige Investitionen verschiebt, gefährdet seine Wettbewerbsfähigkeit von morgen“, betont Birgit Felden. Die Professorin ist Direktorin des Instituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen (EMF) der HWR Berlin.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet eine weitere Verschärfung zentraler Risikofelder in den kommenden zehn Jahren. So rechnen 54,2 Prozent mit steigenden Belastungen aus ihrem wirtschaftlichen Umfeld, dazu zählen beispielsweise hohe Energiepreise, Nachhaltigkeitsvorschriften oder mangelhafte Infrastruktur.
50,9 Prozent der Befragten rechnen mit zunehmenden Ertrags- und Finanzrisiken, was vor allem auf die hohe Bürokratielast zurückzuführen ist. Von einer Verschärfung sozialer Risiken, etwa durch den Fachkräftemangel, gehen 46 Prozent aus.
Reformgipfel muss klare Lösungsvorschläge vorlegen
Aus Sicht des DMB darf der Reformgipfel im Kanzleramt nicht lediglich kurzfristige Konjunkturimpulse diskutieren, er muss auch die strukturellen Ursachen der Investitionszurückhaltung adressieren.
Tenbieg betont: „Der Reformgipfel ist berechtigterweise mit hohen Erwartungen verbunden, denn er muss klare Lösungsvorschläge präsentieren. Wenn die Bundesregierung mit ihren Reformen Investitionen stärken will, muss sie zunächst die Voraussetzungen dafür schaffen. KMU brauchen weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit, bezahlbare Energie und bessere finanzielle Rahmenbedingungen. All dies ist entscheidend für Wachstum, Innovation und Beschäftigung in Deutschland.“