Streit um Arbeitszeiten Einigung im Tarifkonflikt bei Oettinger gescheitert

Die Schlichtung im Tarifstreit zwischen Oettinger und der Gewerkschaft NGG ist gescheitert. Die Gewerkschaft lehnt den Kompromiss ab, weil die Wochenarbeitszeit zeitweise auf 45 Stunden steigen könnte. Derzeit arbeiten die Beschäftigten 37 bis 38 Stunden pro Woche.

Dienstag, 02. Dezember 2025, 14:26 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Oettinger war zuletzt die nach Bierausstoß drittgrößte Brauereigruppe Deutschlands. Bildquelle: Oettinger Getränke

Die Großbrauerei Oettinger und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten haben sich im Tarifstreit doch nicht geeinigt. Die Gewerkschaft erklärte die Schlichtung überraschend für gescheitert, nachdem beide Seiten zunächst angekündigt hatten, den Kompromissvorschlag des Schlichters anzunehmen. Dieser sah eine Gehaltserhöhung um 2,8 Prozent in zwei Schritten vor.

Die Gewerkschaft begründete ihre Kehrtwende damit, dass die Ende November verschickte finale Schlichtungsempfehlung gravierende Verschlechterungen für die Beschäftigten enthalte. Konkret hätte der Arbeitgeber die Wochenarbeitszeit für sechs Monate im Jahr auf 45 Stunden erhöhen können. Die Arbeitszeit an den Oettinger-Standorten beträgt derzeit 37 beziehungsweise 38 Stunden pro Woche.

Die Gewerkschaft will nun weitere Arbeitskampfmaßnahmen vorbereiten, zeigte sich aber weiterhin offen für eine einvernehmliche Lösung. Eine Sprecherin von Oettinger betonte, das Unternehmen wolle am Schlichterspruch festhalten. Nach Angaben der Brauerei geht es bei dem Streit um flexibles Arbeiten in der Hochsaison. In Absprache mit dem Betriebsrat könne in den Sommermonaten länger gearbeitet werden, um der saisonalen Nachfrage nach Bier gerecht zu werden.

Oettinger-Chef wirft Gewerkschaft Eigennutz vor

Der scheidende Oettinger-Chef Stefan Blaschak warf der Gewerkschaft in einem Schreiben an die Mitarbeiter vor, „einem Familienunternehmen in einer krisengeschüttelten Branche aus Eigennutz wirtschaftlich dauerhaft zu schaden“. Oettinger leidet wie die Branche insgesamt unter Umsatzrückgängen.

Oettinger hat bundesweit derzeit noch vier Betriebsstätten mit etwa 800 Beschäftigten: am Unternehmenssitz im schwäbischen Oettingen, in Mönchengladbach, Braunschweig und Walldorf. Die Brauerei in Braunschweig wird allerdings geschlossen. Einer Erhebung des weltgrößten Hopfenhändlers Barth Haas aus Nürnberg zufolge war Oettinger vergangenes Jahr die nach Bierausstoß drittgrößte Brauereigruppe Deutschlands hinter Radeberger und TCB und vor der Paulaner Gruppe.

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