Die Vogelgrippe breitet sich in Deutschland mit ungewöhnlicher Dynamik aus. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) hat ein Treffen mit seinen Amtskollegen einberufen, wie seine Behörde mitteilte. „Bund und Länder ziehen dabei an einem Strang und arbeiten eng und entschlossen zusammen, um die Situation unter Kontrolle zu halten“, hieß es aus dem Ministerium.
Das Friedrich-Loeffler-Institut hat das Risiko für weitere Ausbrüche in Geflügelhaltungen und die Verbreitung unter Wildvögeln auf die Stufe „hoch“ heraufgesetzt. Mehr als 200.000 Hühner, Gänse, Enten und Puten mussten in diesem Herbst nach Ausbrüchen in Geflügelbetrieben getötet werden. Allein im Oktober registrierte das Institut 17 Ausbrüche in Nutzgeflügel-Haltungen. In Baden-Württemberg müssen in einem Geflügelbetrieb im Alb-Donau-Kreis 15.000 Tiere getötet werden. In Mecklenburg-Vorpommern wurden in zwei Großbetrieben mit Legehennen knapp 150.000 Tiere gekeult. Im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg töteten Behörden Mitte Oktober 20.500 Puten.
Die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Derzeit grassiert die Variante H5N1, die bei infizierten Tieren meist tödlich endet. Für Menschen besteht nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts derzeit kein besonderes Risiko für schwerwiegende Erkrankungen. Kontakt zu toten Vögeln sollte dennoch vermieden werden.
Friedrich-Loeffler-Institut warnt vor Kranichsterben
Die Ausbreitung der Vogelgrippe unter Kranichen hat nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts ein in Deutschland bislang nicht gekanntes Ausmaß angenommen. Etwa 2.000 Kraniche verendeten an der Tierseuche. In Nordbrandenburg bargen Behörden mehr als 1.000 tote Kraniche. An einem Stausee zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt fanden Behörden mehr als 500 tote Tiere, etwa 100 in der Mecklenburgischen Seenplatte. Da der Höhepunkt der Kranichrast noch bevorsteht, rechnen Fachleute mit deutlich höheren Zahlen toter Tiere.
Das Friedrich-Loeffler-Institut appelliert an Geflügelhalter, Hygieneregeln penibel umzusetzen. Hausgeflügel sollte möglichst in Ställen untergebracht werden. Die Fütterung sollte nur an Stellen erfolgen, die für Wildvögel unzugänglich sind. In betroffenen Regionen richten Behörden Schutzzonen mit strengeren Regelungen ein.
