Thüringens Bauern stehen trotz Rekordernte unter großem Druck. Die Getreideernte in Thüringen erreichte in diesem Jahr ein Rekordniveau von rund 2,6 Millionen Tonnen, rund 280.000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Das berichtete Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John. Die Menge entspricht einem Anstieg von etwa zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch sehen sich die Landwirte mit erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert.
Stark gesunkene Erzeugerpreise machen zu schaffen
Klaus Wagner, Präsident des Thüringer Bauernverbandes, wies auf die paradoxe Situation hin: „Noch nie wurde weltweit so viel Getreide geerntet - und doch wird es für unsere Betriebe immer schwerer, davon leben zu können“, erklärte er. Der Grund dafür liegt in den stark gesunkenen Erzeugerpreisen. Diese fielen seit Mai im Vergleich zum Vorjahr um 30 bis 40 Prozent. Diese Entwicklung führt zu spürbaren Umsatzeinbußen für die Betriebe.
Die Rekordernte erstreckt sich auch auf andere Feldfrüchte. Bei Winterraps verzeichneten die Thüringer Landwirte eine Steigerung um 13,6 Prozent auf rund 340.000 Tonnen. Für Kartoffeln und Mais liegen die Ertragserwartungen ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Trotz dieser positiven Mengenbilanz bleiben die Durchschnittserträge bei Winterraps deutlich hinter den Erwartungen zurück, wie Ministerin Boos-John betonte.
Ministerin Boos-John plant Risikoausgleichsrücklage
Die CDU-Politikerin erläuterte: Verschiedene Faktoren verschärfen die Situation. Steigende Lagerbestände und spekulative Preisbewegungen an internationalen Börsen verstärken die Unsicherheit auf den Märkten. Zudem setzt sich der Trend zu kleinräumigen Extremwetterereignissen fort. Starkregen, Hagel und regional sehr unterschiedliche Niederschlagsverteilungen belasten die Landwirte zusätzlich.
Als Reaktion auf diese Herausforderungen kündigte Ministerin Boos-John eine Initiative zur Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage an. Sie will diese bei der nächsten Agrarministerkonferenz Ende September in Heidelberg vorstellen. Die Rücklage soll es den Landwirten ermöglichen, für schlechtere Zeiten vorzusorgen und ihr betriebliches Risikomanagement zu verbessern. Dies sei laut Boos-John ein besserer Ansatz als staatliche Nothilfen.
