Trends im Sortiment Darmgesundheit schlägt Vitamine – der OTC-Markt sortiert sich neu

Hintergrund

Der Markt mit Nahrungsergänzungsmitteln und frei verkäuflichen Arzneimitteln wächst trotz Konsumzurückhaltung – insbesondere getrieben durch veränderte Gesundheitsbedürfnisse der Verbraucher und Investitionen großer Konzerne.

Dienstag, 29. Juli 2025, 12:13 Uhr
Elena Kuss
Raphael Thommen ist CEO der Bring Labs AG, die hinter der Einkaufslisten-App Bring steht. Bildquelle: Bring Labs

Daten von Marktbeobachtern zufolge erreicht der globale Markt für Nahrungsergänzungsmittel im Jahr 2025 ein Volumen von rund 190 Milliarden Euro. Die jährlichen Wachstumsraten sollen bis 2028 im Durchschnitt bei knapp 9 Prozent liegen. Europa trägt etwa ein Fünftel zu diesem Umsatz bei, wobei Deutschland den größten Anteil stellt.

Im sogenannten OTC-Segment – also bei Produkten, die ohne Rezept verkauft werden – entwickeln sich in Deutschland Mittel für Magen und Verdauung am stärksten. Laut Marktforschungsdaten von Nielsen IQ (NIQ) erzielte diese Kategorie 2024 einen Umsatz von 419 Millionen Euro in Deutschland und überholte damit die traditionell stärkeren Vitamin- und Mineralstoffpräparate. Letztere kamen im selben Zeitraum auf 384 Millionen Euro Umsatz. Innerhalb der Kategorie Vitamin- und Mineralstoffe erwirtschaftete Magnesium in den zwölf Monaten bis zum 25. Mai 2025 119 Millionen Euro und somit den größten Anteil. Erkältungsmittel steigerten ihren Umsatz von 195 Millionen Euro 2022 auf 240 Millionen Euro im Jahr 2024. Weniger Umsatz machte in der OTC-Kategorie lediglich Melissengeist.

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Diät macht Umsatz

Besonders gefragt sind laut NIQ Mittel zur Gewichtsreduktion. Sie stehen innerhalb der Kategorie Magen und Verdauung mit einem Umsatz von 204 Millionen Euro an der Spitze. Auch Produkte mit funktionalem Zusatznutzen gewinnen an Bedeutung. Die Marktforschungsagentur Yougov beobachtet einen deutlichen Trend zur Selbstoptimierung. Verbraucher suchen vermehrt nach Produkten, die bestimmte gesundheitliche Vorteile bieten – etwa sogenannte Superfoods oder Lebensmittel mit zugesetzten Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen.

Jüngere Verbraucher spielen bei dieser Entwicklung laut Yougov eine zentrale Rolle. So bevorzugen 22 Prozent der Haushalte von Menschen zwischen 18 und 34 Jahren Lebensmittel mit zugesetzten Vitaminen. Über alle Altersgruppen hinweg liegt dieser Anteil bei 17 Prozent. Beim Thema Protein zeigen sich ähnliche Unterschiede: 17 Prozent der jungen Konsumentinnen und Konsumenten greifen bevorzugt zu proteinreichen Lebensmitteln – über alle Altersgruppen hinweg sind es nur 10 Prozent.

Diese Präferenzen spiegeln sich in den Absatzzahlen wider. Der Verkauf proteinreicher Produkte – etwa in Pulverform – hat sich laut NIQ zwischen 2022 und 2024 fast verdoppelt: Die Anzahl verkaufter Verpackungseinheiten stieg von rund 6,8 auf 11,1 Millionen Stück. Der Umsatz legte im selben Zeitraum von knapp 79 Millionen Euro auf 136 Millionen Euro zu.

OTC

Gezielte Gesundheitsziele im Fokus

Diese Verschiebung im Konsumverhalten ist auch digital messbar. „Wir beobachten, dass Themen wie Longevity, Self-Care und personalisierte Ernährung zunehmend auch in Europa an Relevanz gewinnen – nicht nur medial, sondern messbar im Einkaufsverhalten“, sagt Raphael Thommen, CEO der Bring! Labs AG. „Über unsere Plattform sehen wir ein wachsendes Interesse an Produkten aus dem OTC-Bereich, das über klassische Erkältungs- oder Allergiezeiten hinausgeht. Immer häufiger stehen gezielte Gesundheitsziele wie mehr Energie, besserer Schlaf oder Darmgesundheit im Vordergrund. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der steigenden Sichtbarkeit neuer Marken und Produktkategorien in den Werbeaktivitäten unserer Kunden.“

Investoren interessiert

Die Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für den Markt: Große Unternehmen verstärken ihr Engagement im Segment frei verkäuflicher Gesundheitsprodukte. Das Frankfurter Familienunternehmen Merz übernahm die Mehrheit am Hersteller Windstar Medical und integrierte ihn in die Tochtergesellschaft Merz Lifecare. Unter dem gemeinsamen Dach firmieren nun Marken wie Merz Spezial, Tetesept, SOS und Zirkulin. Auch für große Pharmakonzerne sind kleinere Anbieter zunehmend interessant. Bayer hat Anfang 2025 seine Beteiligung am Nahrungsergänzungshersteller Natsana von zuvor 30 auf 100 Prozent erhöht.

Als verbindendes Motiv vieler Neupositionierungen gilt laut Yougov der Trend zur sogenannten Darmgesundheit. Produkte, die das Mikrobiom – also die Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen – stärken oder ausbalancieren sollen, gelten als besonders wachstumsstark. Der Trend lässt sich nicht nur im Nahrungsergänzungsmarkt beobachten, sondern strahlt auch auf andere Segmente wie Süßwaren oder Gesichtspflegeprodukte aus. Der Absatz bei probiotischen Drinks wächst laut Yougov-Daten 2024 zweistellig. Glutenfreie Produkte erreichen im gleichen Jahr eine Penetration von knapp 60 Prozent.

Neben Jüngeren richten sich viele Angebote auch an eine wachsende Gruppe gesundheitsbewusster Verbraucher mittleren Alters. Die alternde Gesellschaft treibt laut Marktforschung das Interesse an Healthy-Aging-Produkten, also Artikeln, die körperliches Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter unterstützen sollen.

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