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EU / Norwegen Norwegischer Bio-Lachs wird knapp

LEBENSMITTEL PRAXIS | 08. September 2016

Weil Schafställe in Norwegen zu viele Spalten im Boden aufweisen, darf das Land keinen Lachs mehr mit dem EU-Bio-Siegel in die Europäische Union exportieren. Dabei ist an dem Fisch selbst gar nichts auszusetzen. „Der Lachs wird so produziert, wie die EU das vorschreibt“, betont Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie.

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Das Problem ergibt sich aus den Bezeichnungen 834/2007 und 889/2008. Norwegen hat - wie auch Island - diese EU-Regulierungen noch nicht in die Vereinbarung zum Europäischen Wirtschaftsraum aufgenommen, dem die beiden Nicht-EU-Mitglieder angehören. Die Vorschriften betreffen Aquakulturen wie beim Bio-Lachs, aber auch die Bedingungen in Schafställen. Denn Brüssel schreibt vor, dass die Ställe möglichst festen Boden haben und mit Stroh bedeckt sein sollen. Norwegen hingegen bevorzugt Spalten, u.a. damit die Exkremente hinabfallen können.

Das heißt, Lachs aus Norwegen darf weiterhin ohne Einschränkungen verkauft werden, nur eben nicht mit dem  EU-Bio-Siegel. Das Brüsseler Verbot von Mitte Juli, dass die Ware kein Bio-Label tragen darf, führt auch innerhalb Deutschlands zu Chaos. So schreiben nun einige Bundesländer vor, die bereits verpackte norwegische Ware sofort vom Markt zu nehmen. Anderswo darf hingegen der Lagerbestand noch verkauft werden, oder es wird erst einmal abgewartet, ob sich in der Sache nicht doch noch etwas tut.

"Norwegen ist der größte Lieferant von Bio-Lachs, und deshalb kann die Lücke momentan nicht geschlossen werden", sagte Martina Buck, Sprecherin des Fischverarbeiters Deutsche See,  der "Tageszeitung" (taz). Rund 18.000 t Bio-Lachs produziert das skandinavische Land jedes Jahr, mehr als die Hälfte geht nach Deutschland.