Migros Zürich zieht die Reißleine und trennt sich von Tegut. Zugleich kündigt das Unternehmen aus der Schweiz seinen Rückzug aus dem deutschen Markt an. Tegut betreibt 298 Standorte, vor allem in Hessen. Als eigenständiges Unternehmen wird sich Tegut möglicherweise noch 2026 vom Markt verabschieden.
Verschärftes Marktumfeld in Deutschland
In einem Statement von Migros heißt es: „Trotz massiven Kosteneinsparungen, welche die operativen Verluste der Tegut-Gruppe im vergangenen Jahr um mehr als die Hälfte reduziert haben, verschärfte sich das Marktumfeld in Deutschland weiter und führte zu rückläufigen Umsätzen. Die umfassende Analyse der Situation hat deutlich gemacht, dass Tegut unter diesen Bedingungen mit der spezifischen Positionierung und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig ist.“
Die Option einer Gesamtübernahme von Tegut durch einen Händler, der bisher nicht im deutschen Markt präsent sei, habe sich dabei als nicht umsetzbar erwiesen. Bei den daraufhin vertieften Gesprächen mit Handelsketten aus dem deutschen Markt sei es dann von Anfang an um die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze und die Fortführung der Filialen gegangen.
Migros stieg vor 13 Jahren ein
Patrik Pörtig, Geschäftsleiter der Migros Zürich, erläutert: „Die Entscheidung, Tegut zu veräußern, ist uns äußerst schwergefallen. Das große Engagement der Kollegen in den herausfordernden vergangenen Monaten verdient meinen höchsten Respekt. Dennoch hat die Analyse eindeutig gezeigt, dass eine Gesamtveräußerung unter den aktuellen Marktbedingungen die beste langfristige Perspektive für alle Beteiligten bietet – insbesondere für die Mitarbeitenden, aber auch für die Kunden.“
CH Media schreibt im Zusammenhang mit den Aktivitäten in Deutschland von einem Verlust von 600 Millionen Euro. Migros war im Januar 2013 bei Tegut eingestiegen. Zwischen 2019 und 2021 lief eine Expansionsphase, in der neben dem hessischen Heimatmarkt auch Thüringen und Bayern verstärkt in das Visier genommen und kleinere Store-Formate eingeführt wurden. Im November 2024 musste dann ein umfassendes Sanierungsprogramm beschlossen werden.
Einigung mit Edeka bereits erzielt
Mit Edeka wurde nach Migros-Angaben bereits eine Einigung erzielt und ein entsprechender Vertrag unterzeichnet. Der Vertrag umfasst die Übernahme eines wesentlichen Teils der Tegut-Gruppe. Dazu gehören ein wesentlicher Teil des Filialportfolios mit den Vertriebsmitarbeitern, das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Herzberger-Bäckerei sowie die Smart Retail Solutions, Betreiberin des Smartstore-Formats Teo in Deutschland. Rewe ist für den Rest des Portfolios im Gespräch. Parallel dazu führt die Migros Zürich Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern. Die sollen eine Lösung für die Zukunft möglichst aller Standorte gewährleisten, wie es heißt.
Bundeskartellamt muss noch zustimmen
Über den Kaufpreis wurde zwischen den Parteien Stillschweigen vereinbart. Die Übergabe der Filialen an Edeka sowie weiteren Marktteilnehmern steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung durch das Bundeskartellamt, das die wettbewerbsrechtlichen Aspekte der Transaktion prüft.
Die finanziellen Auswirkungen der Transaktion werden im Jahresabschluss 2025 sichtbar sein, der am 24. März veröffentlicht wird. Die Gesamtabwicklung führt nach Migros-Prognosen zu außerordentlichen Aufwänden, die das Ergebnis der Genossenschaft Migros Zürich und der Migros-Gruppe belasten werden.