Nach Merz-Äußerung Handel unterstützt Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Der Handelsverband Deutschland begrüßt die von der Bundesregierung angestoßene Debatte über eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Seit ihrer unbefristeten Einführung Ende 2023 seien die Krankschreibungen stark gestiegen. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sei die teuerste allein von Arbeitgebern finanzierte Sozialleistung.

Donnerstag, 22. Januar 2026, 14:48 Uhr
Theresa Kalmer
Telefonische Krankschreibung in der Kritik: Der Handelsverband Deutschland fordert die Abschaffung der telefonischen Krankmeldung und warnt vor Missbrauch. Bildquelle: Getty Images

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und hat sich damit einer Forderung von Bundeskanzler Friedrich Merz angeschlossen (CDU). Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sei die mit Abstand teuerste allein von den Arbeitgebern finanzierte Sozialleistung in Deutschland, teilte der Verband mit. Die hohe Ausgabendynamik bei den Lohnfortzahlungskosten sowie auch den Sozialversicherungsbeiträgen habe den kritischen Wert längst überschritten.

„Die telefonische Krankschreibung muss wieder abgeschafft werden. Sie erleichtert die Krankmeldung in zu hohem Maße und öffnet damit in der Praxis Missbrauch Tür und Tor“, zitierte der Verband seinen Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in der Mitteilung. Seit Einführung der unbefristeten telefonischen Krankschreibung für gesetzlich Versicherte Ende 2023 seien die Krankschreibungen in Deutschland nachweislich stark angestiegen und hätten sich inzwischen auf einem sehr hohen Stand eingependelt.

„Die Lösung liegt doch auf der Hand. Die telefonische Krankschreibung sollte abgeschafft werden. In zwei Jahren lässt sich dann evaluieren, ob sich der Krankenstand normalisiert hat“, so Genth laut der Mitteilung. Der aktuelle Koalitionsvertrag biete dafür eine gute Grundlage, denn darin sei unter anderem geregelt, dass man Missbrauch bei der telefonischen Krankschreibung zukünftig ausschließen wolle.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuvor die Frage aufgeworfen, ob sich Arbeitnehmer in Deutschland zu oft krankmelden. Er stellte die telefonische Krankschreibung infrage. Man müsse sich darüber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass die Menschen ihrer Beschäftigung nachgingen, sagte Merz.

Handelsverband kritisiert elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung als zu bürokratisch

Der Handelsverband bewertet die von der Bundesregierung angestoßene Debatte über eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung positiv. Kritisch blickt der Verband auch auf die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die seit dem 1. Januar 2023 für Arbeitgeber in Deutschland verpflichtend ist und in der Praxis weiterhin als zu bürokratisch wahrgenommen wird.

„Bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung könnte man bereits durch kleine Anpassungen große Entlastungen für die Unternehmen erzielen“, so Genth laut der Mitteilung. Der Verband schlägt vor, das sehr aufwändige Pull-Verfahren, nach dem die Arbeitgeber aktuell noch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von Beschäftigten jedes Mal bei der jeweiligen Krankenkasse eigenständig abfragen müssen, in ein praxistaugliches und unbürokratisches Push-Verfahren zu überführen. Die jeweilige Krankenkasse müsste dem Arbeitgeber das Vorliegen der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dann proaktiv mitteilen.

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