Die EU ist nach eigenen Angaben für den Fall gewappnet, dass der Grönland-Streit mit den USA zu einem neuen Zollkonflikt führt. Die Europäische Union hält Sonderzölle auf amerikanische Waren im Wert von 93 Milliarden Euro bereit. Diese könnten bereits am 7. Februar in Kraft treten, falls die derzeit bis zum 6. Februar beschlossene Aussetzung nicht verlängert wird. Dies bestätigte ein Sprecher der Europäischen Kommission in Brüssel. Die Maßnahmen waren im vergangenen Jahr im Zuge eines Zollkonflikts vorbereitet worden und würden automatisch wirksam werden.
Die EU-Ausgleichszölle würden eine lange Liste von Industrie- und Agrarprodukten treffen. Dazu zählen Flugzeuge, Motorräder, Rindfleisch, Whiskey und Zitrusfrüchte. Ursprünglich sollten die Maßnahmen im vergangenen Sommer in Kraft treten, wenn die USA angedrohte Zölle in Höhe von 30 Prozent auf europäische Produkte eingeführt hätten. Stattdessen einigten sich beide Seiten auf einen Basiszollsatz von 15 Prozent, woraufhin die Verordnung für die Gegenzölle für sechs Monate ausgesetzt wurde.
Hintergrund der aktuellen Eskalation sind neue Zollpläne von US-Präsident Donald Trump. Ab dem 1. Februar will er Strafzölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus Deutschland und sieben weiteren europäischen Staaten verhängen. Trump will damit den Widerstand gegen einen Verkauf der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland an die Vereinigten Staaten brechen. Die Regierung in Kopenhagen schließt ein solches Geschäft aus und wird dabei von mehreren europäischen Staaten unterstützt. Die Zölle sollen diejenigen treffen, die symbolisch Soldaten nach Grönland entsendet hatten, darunter neben Dänemark und Deutschland auch Frankreich, Großbritannien und die Niederlande.
Deutsche Unternehmen ziehen sich zurück
Die deutsche Wirtschaft hat ihr Engagement in den USA bereits deutlich zurückgefahren. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft mitteilte, gingen die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen zwischen Februar und November 2025 um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurück. Deutsche Unternehmen investierten in diesem Zeitraum 10,2 Milliarden Euro in den USA, im Vorjahreszeitraum waren es noch fast 19 Milliarden Euro gewesen. Auch die deutschen Exporte in die USA sanken zwischen Februar und Oktober 2025 um rund neun Prozent. Besonders betroffen sind zentrale Industriezweige: Die Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen sanken um fast 19 Prozent, im Maschinenbau um rund zehn Prozent, bei chemischen Erzeugnissen um mehr als zehn Prozent.
Die jüngsten Drohungen Trumps mit Zusatzzöllen für einige EU-Mitgliedstaaten wegen der Entsendung von Truppen nach Grönland unterstreicht laut Ifo-Institut, wie unberechenbar die Situation bleibt. „Das ist Gift für Investitionen und Handel“, zitierte das Institut der deutschen Wirtschaft die Außenhandelsexpertin Samina Sultan in der Mitteilung. Unternehmen reagierten besonders sensibel auf Unsicherheiten. Wer Produktionsstandorte aufbaue oder ausweite, kalkuliere über Jahre. Wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen kurzfristig ändern könnten, hielten viele Unternehmen Investitionen zurück oder verschöben sie. Trumps Wirtschaftskurs verunsichere Unternehmen, bremse den transatlantischen Austausch und treffe damit nicht nur deutsche Firmen, sondern schwäche auch den Wirtschaftsstandort USA selbst.

