Der Alkoholkonsum in Deutschland sinkt seit Jahren, liegt aber weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Pro Kopf trinkt die Bevölkerung ab 15 Jahren noch immer 10,6 Liter reinen Alkohol jährlich, wie aus Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hervorgeht. Der OECD-Durchschnitt beträgt 8,5 Liter.
Männer trinken weniger - Frauen nicht unbedingt
In einer Gesundheitsumfrage des Robert Koch-Instituts gab gut jeder Fünfte der Erwachsenen an, keinen Alkohol zu trinken.
Im vergangenen Jahr produzierte die Branche mit 579 Millionen Litern fast doppelt so viel alkoholfreies Bier wie noch zehn Jahre zuvor. Der Marktanteil beträgt nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds inzwischen 9 Prozent.
Der Rückgang verteilt sich ungleich auf die Geschlechter. Vor allem Männer trinken weniger als früher, Frauen nicht unbedingt, wie Suchtforscherin Carolin Kilian vom Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erläutert. Bei Frauen habe das Rauschtrinken sogar eher zugenommen. Rollenbilder hätten sich gewandelt. Zudem gebe es immer mehr geschlechtsspezifische Werbung, in der Frauen mit Alkohol ihre Erfolge oder Freundschaften feiern.
Junge Menschen trinken deutlich weniger
Bei den 12- bis 25-Jährigen zeigt sich ein deutlicherer Rückgang. Rund 7 Prozent der Mädchen und gut 12 Prozent der Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren gaben in einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2023 an, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken. Im Vergleich zu 2004 haben sich diese Werte mehr als halbiert.
Ob der veränderte Konsum einen dauerhaften Kulturwandel einleitet, bleibt fraglich. Kilian warnt, dass der Wandel bei jungen Menschen äußerst instabil sei, wenn er nur durch Kultur beeinflusst werde und nicht durch einen gesetzlichen Rahmen. Peter Raiser von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen fordert mehr politische Maßnahmen. Es brauche sowohl Aufklärung als auch strukturelle Prävention, also Maßnahmen, um die Verfügbarkeit oder die Werbung einzuschränken oder den Preis etwa durch Steuern zu erhöhen. „Da ist in Deutschland ganz viel Luft nach oben“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur Raiser.
Reduktionsziel bei Alkohol wird wohl nicht erreicht
Im Jahr 2013 verpflichtete sich die Bundesrepublik als Mitgliedsstaat der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Alkoholkonsum um 10 Prozent zu verringern. Die Autoren des Jahrbuchs Sucht halten fest, dass der Gesamtalkoholkonsum pro Kopf zwischen 2013 und 2023 nur um 8 Prozent zurückgegangen sei. Man könne nicht davon ausgehen, dass das Ziel erreicht werde. Andere Länder seien deutlich weiter, so Kilian. Litauen habe systematisch Empfehlungen der WHO umgesetzt und eine Alkoholsteuer eingeführt, die Verfügbarkeit von Alkohol und die Werbung dafür eingeschränkt und damit deutliche Erfolge erzielt.