Reaktion auf Monopolkommission Markenverband fordert schärfere Regeln gegen Handelsmacht

Der Markenverband verlangt strengere Kontrollen für große Handelskonzerne. Hintergrund ist ein neues Gutachten der Monopolkommission, das zeige, wie die Marktmacht der Händler den Wettbewerb verzerre. Die Fusionskontrolle habe versagt.

Montag, 24. November 2025, 10:05 Uhr
Lea Pichler
Händler integrieren zunehmend die gesamte Wertschöpfungskette und werden selbst zu Herstellern. Der Markenverband findet das problematisch. Bildquelle: Carsten Hoppen

Der Markenverband verlangt schärfere Regeln gegen die Nachfragemacht großer Handelskonzerne im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Der Verband reagiert damit auf ein Sondergutachten der Monopolkommission, das am 21. November 2025 erschienen ist. Die Kommission beschreibt darin, wie die Marktmacht der Händler den Wettbewerb verzerrt.

„Die Befunde der Monopolkommission bestätigen, was unsere Unternehmen tagtäglich erleben: Die Marktkonzentration im Handel steigt, Preisweitergaben erfolgen asymmetrisch, und die vertikale Integration der großen Händler schafft eine Machtposition, die strategischen Missbrauch ermöglicht“, zitierte der Markenverband seinen stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Andreas Gayk in einer Mitteilung. Der Verband fordert eine wirksame Verhaltenskontrolle der Händler und eine reformierte Verbandsklage.

Die Monopolkommission stellt in ihrem Gutachten mehrere strukturelle Probleme fest. Die Konzentration auf Handelsseite ziehe Konzentrationseffekte bei den Herstellern nach sich. Preissenkungen gäben die Händler kaum weiter, selbst wenn ihre Einkaufspreise und die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller sinken. Zudem integrieren Händler zunehmend die gesamte Wertschöpfungskette und werden selbst zu Herstellern. Ihre Machtposition gegenüber Erzeugern wachse damit überproportional, heißt es in dem Gutachten.

Monopolkommission kritisiert versagende Fusionskontrolle

Die Fusionskontrolle habe versagt, schreibt die Monopolkommission. Die Zerschlagung der Warenhauskette Real zeige, dass bestehende Instrumente die Stärkung von Nachfragemacht nicht verhindert haben. Der Markenverband verlangt nun eine Neuausrichtung des regulatorischen Rahmens. Er fordert Anpassungen in der zwölften Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen und in der kommenden Überarbeitung der europäischen Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken.

„Die nächsten Reformschritte im Jahr 2026 werden zum entscheidenden Prüfstein“, zitierte der Verband Gayk weiter. Jetzt entscheide sich, ob Politik und Behörden bereit sind, die Defizite zu beseitigen und für fairen Wettbewerb in den Wertschöpfungsketten zu sorgen. Der Verband will zudem klar definierte Kriterien, um Abhängigkeitsverhältnisse im Markt schnell feststellen zu können. Die Reform der Verbandsklage soll Unternehmen in Sandwichpositionen Rechtsschutz geben, ohne dass diese Gegenmaßnahmen mächtiger Handelspartner fürchten müssen.

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