Der Agrarausschuss des Europäischen Parlaments stimmte einem Änderungsantrag zu, der die Bezeichnungen von pflanzlichen Alternativprodukten zu Fleisch einschränken könnte. Dies teilte die Ernährungsorganisation Pro Veg mit. 33 Abgeordnete stimmten dafür und 10 dagegen; 5 Parlamentarier enthielten sich. Der Antrag fordert eine Überarbeitung der Bezeichnungen von Lebensmitteln mit Fleischbezug in der Gemeinsamen Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse (GMO).
Pro Veg warnt vor ausgebremstem Wachstum
Endgültig muss das Europäische Parlament entscheiden. Das passiert voraussichtlich im Oktober. Findet der Antrag auch im Plenum des Europäischen Parlaments eine Mehrheit, verbietet er etablierte Bezeichnungen pflanzenbasierter Produkte. Begriffe wie „Steak“, „Wurst“, „Hamburger“ oder „Schnitzel“ dürften Hersteller dann nicht mehr für pflanzliche und kultivierte Alternativprodukte verwenden, wie Pro Veg erläuterte.
Die Organisation befürchtet, diese Entwicklung könnte den Markt pflanzlicher Alternativprodukte in seinem Wachstum ausbremsen. Dr. Nina Wolff, Politik-Expertin bei Pro Veg in Deutschland, sagte: „Sollen Unternehmen und Verbraucher von den attraktiven neuen Möglichkeiten des Zukunftssektors profitieren, dann braucht es jetzt ein greifbares Bekenntnis der Politik.“
Deutschland größter Markt in Europa
Pro Veg verwies darauf, dass Deutschland mit Abstand den größten Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa darstellt. Das Beratungsinstitut Systemiq prognostiziert, der Sektor könne innerhalb von 20 Jahren bis zu 65 Milliarden Euro zur deutschen Wirtschaftsleistung beitragen und bis zu 250.000 neue Arbeitsplätze schaffen.
Die Organisation fordert die Abgeordneten auf, die Weichen für ein stabiles Wachstum des innovativen pflanzenbasierten Markts in ganz Europa zu stellen. Pro Veg sieht den gleichberechtigten Marktzugang aller bestehenden und künftigen Proteinquellen als entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung des Sektors.
Imart: Steak ist aus Fleisch – Punkt
Die Europäische Volkspartei (EVP), zu der auch CDU und CSU gehören, betrachtet das Abstimmungsergebnis als Erfolg und hatte sich in diesem Sinne stark gemacht. Die federführende Verhandlungsführerin Céline Imart (EVP) erklärte: „Ein Steak ist aus Fleisch gemacht. Punkt. Die ausschließliche Verwendung dieser Bezeichnungen für echtes Fleisch sorgt für eine ehrliche Etikettierung, schützt die Landwirte und bewahrt die kulinarischen Traditionen Europas.“
