Der Einzelhandel sperrt Kaffee zunehmend in Vitrinen, weil die Diebstähle stark zunehmen. „Es ist nicht selten, dass ein ganzes Regal leer geräumt wird“, sagte Frank Horst vom Kölner Forschungsinstitut EHI der Deutschen Presse-Agentur. In den Geschäften gebe es zu wenig Personal, weshalb Diebstahl oft unbemerkt bleibe, erklärte der Handelsexperte.
Die Händler reagieren auf die gestiegene Diebstahlgefahr mit verstärkten Sicherheitsmaßnahmen. Kaufland setzt nach eigenen Angaben in einem Teil seiner Filialen Sicherungsboxen für Bohnenkaffee ein und beschäftigt Detektive. Die Handelskette betont, dass Ladendiebstähle weniger als 0,1 Prozent der Kundenkontakte ausmachen. Rewe spricht von Einzelfällen an Brennpunkt-Standorten und hält das Wegsperren von Kaffee für wenig praktikabel, da das Sortiment mehrere Regalmeter umfasse. Norma verzichtet bislang auf das Wegsperren von Kaffee. Bei Edeka entscheiden die selbstständigen Kaufleute vor Ort über Sicherungsmaßnahmen. Aldi und Lidl wollten sich nicht äußern.
Die zunehmenden Diebstähle hängen mit den stark gestiegenen Kaffeepreisen zusammen. Bohnenkaffee kostete im Juni 45 Prozent mehr als noch 2020, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Kilopackungen bekannter Marken kosten inzwischen bis zu 20 Euro. Grund sind höhere Rohstoffpreise durch Trockenheit und schlechte Ernten in wichtigen Anbauländern. Bei einigen Kunden sei der Diebstahl ein Protest gegen die hohen Preise, sagte Horst. Neben dem Diebstahl für den Eigenbedarf spiele auch die gewerblich organisierte Beschaffungskriminalität eine Rolle, da sich Kaffee leicht weiterverkaufen lasse.
Handelsverband fordert härtere Strafen
Die Schäden durch Ladendiebstahl haben 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Kunden stahlen Waren im Wert von 2,95 Milliarden Euro - ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das EHI mitteilte. Schon 2023 stiegen die Schäden um 15 Prozent. Neben Kaffee gehören auch Spirituosen, Rasierklingen, Parfüm und Energydrinks zu den bevorzugten Diebesgütern.
Peter Schröder vom Handelsverband Deutschland fordert härtere Strafen, insbesondere beim bandenmäßigen Ladendiebstahl. „Insbesondere beim bandenmäßigen Ladendiebstahl muss die Justiz stärker gegenhalten“, sagte der Rechtsexperte. Dafür brauche es eine bessere Ausstattung von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten. Die Händler gaben 2024 rund 1,6 Milliarden Euro für Präventionsmaßnahmen aus, vor allem für Schulungen des Personals. Das Wegsperren der Ware führt nach Angaben des Verbands allerdings oft zu Umsatzeinbußen bei den betroffenen Produkten. Experten zufolge werden immer weniger Taten entdeckt und angezeigt, auch weil sich der Aufwand oft nicht lohne. Viele Verfahren werden wegen Geringfügigkeit eingestellt.
