Digitaler Vertrieb Deutscher Handel setzt verstärkt auf Social Commerce

Der deutsche Handel nutzt zunehmend sogenannten Social Commerce, also den Verkauf über die sozialen Medien. Eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom ergab unter anderem, dass 59 Prozent der Händler ein eigenes Profil in sozialen Netzwerken zum Bewerben ihres Angebots nutzen. 

Dienstag, 08. Juli 2025, 12:11 Uhr
Thomas Klaus
Verkaufskanal mit Herausforderungen: Eine neue Bitkom-Studie befasst sich mit sozialen Medien und ihrer Rolle als Vertriebskanal. Bildquelle: Adobe Stock

Laut einer Bitkom-Studie nutzen 59 Prozent der deutschen Händler soziale Netzwerke zur Produktbewerbung. Ein Viertel ermöglicht sogar Bestellungen über diese Plattformen. Trotz dieses Trends dominieren weiterhin klassische Verkaufskanäle. 505 Handelsunternehmen ab zehn Beschäftigten waren repräsentativ befragt worden. 

13 Prozent der Händler kooperieren mit Influencern

Mehr als ein Viertel der Handelsunternehmen (27 Prozent) ermöglicht es Kunden, dass sie Bestellungen über Social-Media-Plattformen aufgeben, wie Bitkom weiter berichtet. Etwa 13 Prozent kooperieren mit Influencern. Weitere 9 Prozent haben zumindest darüber nachgedacht. 49 Prozent haben sich noch gar nicht mit diesem Thema befasst. 

„Handel findet zunehmend in sozialen Netzwerken statt – auch in Deutschland. Soziale Medien verändern den Kaufprozess grundlegend, zwischen der Anzeige eines Produkts und dem Klick auf ‚Kaufen’ liegen nun häufig nur noch Sekunden.“ Das erklärt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Facebook und Instagram am beliebtesten

Facebook und Instagram sind bei den Händlern am beliebtesten. Etwa zwei Drittel betreiben ein Facebook-Profil, bei Instagram sind es etwas mehr als die Hälfte. Auf den Plattformen LinkedIn und Xing präsentieren sich jeweils rund 40 Prozent der Händler. 38 Prozent der Händler besitzen ein Profil bei X, ehemals Twitter, und auf Tiktok sind 30 Prozent vertreten. 19 Prozent haben einen Account bei YouTube.

Trotz des Trends zum Social Commerce dominieren weiterhin klassische Verkaufskanäle: Fast alle Handelsunternehmen betreiben einen eigenen Online-Shop, 89 Prozent nehmen E-Mail-Bestellungen entgegen und 78 Prozent verkaufen über Online-Marktplätze.

Digitalisierung schreitet eher langsam voran

Die Digitalisierung im Handel schreitet insgesamt eher langsam voran. Nur 2 Prozent der Unternehmen betrachten sich als Spitzenreiter, während sich zwei Drittel als Nachzügler bei der Digitalisierung einschätzen. Dennoch erkennen 87 Prozent der Händler die Digitalisierung als Chance. 11 Prozent der Händler sehen in ihr ein Risiko. Als Vorteile nennen sie unter anderem vereinfachte Bestellvorgänge und leichtere Kommunikation mit Geschäftspartnern sowie die Möglichkeit der indivuellen Kundenansprache. 

81 Prozent finden nur schwer geeignete Mitarbeiter

Neben der Digitalisierung sieht sich der Handel mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. Konjunkturelle Unsicherheiten bereiten 90 Prozent der Unternehmen Sorgen. Zudem kämpft knapp die Hälfte mit einer schwachen Nachfrage im In- und Ausland. Der Fachkräftemangel stellt ebenfalls ein Problem dar: 81 Prozent der Händler finden nur schwer geeignete Mitarbeiter. 56 Prozent sehen sich durch die neue Bundesregierung verunsichert und betrachten das als Herausforderung. 

Händler-Zögern bei Künstlicher Intelligenz

Zusätzlicher Wettbewerb kommt durch die wachsende Anzahl von Online-Shops zustande. 65 Prozent der Händler sprechen in diesem Zusammenhang von mehr Wettbewerbern. 67 Prozent sehen einen erhöhten Wettbewerbsdruck durch Billig-Marktplätze. 84 Prozent meinen, dass chinesische Billig-Marktplätze unlauteren Wettbewerb betreiben.

Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz zögern viele Händler. Am häufigsten wird KI noch in Kundenservice und Kundenkommunikation genutzt (25 Prozent). Dennoch sagen 61 Prozent der Befragten, dass Händler, die KI verwenden, einen Wettbewerbsvorteil haben. 

Stationärer Handel bleibt relevant

Trotz des Trends zum Online-Handel bleibt der stationäre Handel relevant. 86 Prozent der Händler bieten ihre Produkte sowohl online als auch vor Ort an. „Was wir in vielen anderen Bereichen beobachten, gilt auch für den Handel: Der Handel wird hybrid“, so Rohleder. Allerdings sehen 72 Prozent der Befragten den stationären Handel im Preiskampf mit dem Internet im Nachteil.

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