Abendbrot Soziales Lagerfeuer

Das Abendbrot ist heute ein häufiger Anlass für ein gemeinsames Essen in häuslicher Atmosphäre. Die Stulle bekommt Konkurrenz durch Bowls sowie warme Gerichte. Im Handel etablieren sich weiterhin eigenständige Platzierungen.

Montag, 18. Januar 2021 - Sortimente
Dieter Druck, Wibke Niemeyer, Jens Hertling
Artikelbild Soziales Lagerfeuer
Bildquelle: Getty Images

Abendbrot ist angesagt und erfährt, so der Tenor vieler Hersteller, in Corona-Zeiten eine noch höhere Wertigkeit. Der familiäre Zusammenhalt ist wichtiger geworden, wie die Marktforscher der „Kulinaria Deutschland e. V.“-Studie festgestellt haben. Feinkosthersteller Popp, einer der Ersten im Markt, der das abendliche Mahl thematisierte und ins Marketingkonzept aufnahm, umschreibt das Ganze als „soziales Lagerfeuer“, an dem sich die Familie oder Freunde versammeln.

Dort sind die Klassiker, Brote mit Wurst und Käse, gesetzt. Basis ist die Vielfalt von rund 3.200 eingetragenen Brotsorten in Deutschland, gepaart mit der abwechslungsreichen Vielfalt bei Wurst und Käse. Nicht zu vergessen, dass viele Haushalte das Selberbacken, auch von Brot, in der Pandemie für sich entdeckt haben. Irgendwie muss ja der Mehl- und Hefe-Hype erklärbar sein.

Vielfalt steigt im Regal
Nichtsdestotrotz lassen sich die Verbraucher etwas einfallen und tischen variantenreicher auf. Dabei bedienen sie sich an der Angebotsvielfalt von Brotaufstrichen/Gemüseaufstrichen und Feinkostsalaten. Brotaufstriche/Gemüseaufstriche sind inzwischen im deutschen Handel omnipräsent. Und vor allem vegane beziehungsweise vegetarische Brotaufstriche verzeichneten im vergangenen Jahr ein zweistelliges Absatzwachstum (Mafowerk; März 2020). Dort tun sich aus Sicht von Popp vor allem die Aufstriche mit mediterraner und orientalischer Note hervor. Hummus sei so ein Beispiel, meint man in Kaltenkirchen, das dort in den Varianten natur und pikant sowie mit Toppings wie Petersilien-Pesto oder Muhammara angeboten wird. Ebenso erweitern conveniente Kartoffelprodukte das Spektrum der warmen Gerichte beim Abendbrot.

Inszenierung der „Stulle 2.0“
Der neue Trend aus Sicht von Rila ist die Stulle 2.0: Das klassische Butterbrot wird neu inszeniert. Hauptthemen beim Abendbrot sind dabei die Aspekte vegan, Low Carb, Fitness und gesunde beziehungsweise bewusste Ernährung. Die Stulle 2.0 ist viel mehr als das herkömmliche Butterbrot mit Käse oder Wurst. Leckere Brotaufstriche bilden die „neue Stulle“ und sind die perfekte Basis für aufregende Kreationen. Auch die Gastronomie hat diesen Trend aufgenommen (siehe z. B. auch „Die Stulle“ in Berlin-Charlottenburg). Die Konsumenten sind heute offen für Neues und experimentierfreudiger. Damit steigt die Vielfalt in den Feinkostregalen des Handels. Die Auf- und Unterlagen werden vielseitiger. Absolut angesagt sind pflanzenbasierte Veggie-Aufstriche.

Bowls sind im Kommen
Als weiteren Trend beim Abendbrot identifiziert Rila die Bowls. Gleich, ob vegan/vegetarisch, mit Fleisch oder Fisch stehen Salat, Obst und Gemüse auf einmal in einem anderen Licht, klassisch „abgedeckt“ mit variantenreichen Toppings. Bowls stehen für frisches, gesundes Essen, Ethno und Convenience. Sie sind ein ideales Spielfeld für Cross-over-Experimente. Diesen Trend bedient Rila als Spezialist für Bio und ethnische Feinkost unter anderem mit seiner Biomarke Rinatura. Sie wurde unlängst neu aufgestellt unter dem Leitsatz „Einfach besser Bio essen“. Dabei ist, so Rila, Bio die selbstverständliche Basis, aber nicht der alleinige Fokus. Inszeniert wird Rinatura in den drei Genusswelten Daily Green, Foodie Lifestyle und Plant Power. Daily Green bietet Basics für den Bio-Genuss übers ganze Jahr. Die Gebinde sind in diesem Sortimentsbereich den Verbrauchsmengen einer Familie angepasst.

Das Segment Plant Power umfasst innovative, ernährungsphysiologisch ausgewogene „Alltags-Performer“. Sie sind also Quellen für Proteine und wertvolle Nährstoffe. Komplettiert wird das Ganze durch das Segment „Foodie Lifestyle“ mit den angesagten und neuesten Genussideen aus aller Welt. Die beiden letztgenannten Sortimentscluster orientieren sich schwerpunktmäßig an den Mengen eines Single- oder Paarhaushaltes. Laut Mafowerk, (Consumerinsights herzhafte Brotaufstriche, März 2020) bevorzugen bei Brotaufstrichen 63 Prozent der Befragten Packungsgrößen von 125 bis 150 Gramm.

In diesem Kontext lassen es die Hersteller nicht an Nachhaltigkeitsaspekten und Klimaneutralität fehlen. Sie gewinnen für eine wachsende Schar junger und älterer Konsumenten an Bedeutung.

Eigenes Regal ist angebracht
Tartex, eine Marke der Allos Hofmanufaktur in Bremen und Hersteller von Veggie-Bio-Brotaufstrichen, sieht sich als Treiber der Trend-Kategorie der herzhaft vegetarischen Brotaufstriche, zählt sich dort zu den Top-3-Marken und verbucht für sich laut Marktforschung (IRI, Savoury Spreads exklusive Hummus; exklusive Private Label, MAT September 2020) ein überproportionales Wachstum von 51,4 Prozent. Die Kategorie insgesamt legte wertmäßig um 16,7 Prozent zu. Ohne Tartex waren es laut eigenen Angaben 14,8 Prozent. Vor allem jüngere Zielgruppen und Familien mit Kindern sprechen darauf an.

Was die Präsentation am PoS angehe, suche der Kunde nach Erkenntnissen von Tartex herzhafte Brotaufstriche zunächst einmal im Regal mit den Aufstrichen und dann im Bio-Regal, erläutert Sandra Spremberg, Marketing Director bei Tartex. „Daher setzen wir immer wieder den Impuls, ein eigenes Regal für herzhafte Brotaufstriche neben dem mit den süßen Varianten zu etablieren.“ Dabei sollten auch die Zweitplatzierungen als Impulsgeber für die noch junge Kategorie nicht aus den Augen verloren werden. Das Sortiment gliedert sich bei Tartex in die Range Marktgemüse (fünf Sorten mit besonders viel Gemüse), in die vier Sorten unter „Soo cremig“ und die vier Varianten von Linsen Liebe.

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