Haferprodukte Allrounder mit Lifestyle-Potential

Hafer ist auf dem Vormarsch. Noch werden Hafererzeugnisse oft als „Alternativ“-Produkte für Veganer und Allergiker angesehen, aber die Zahl der Verwender und die Produktvielfalt wachsen.

Mittwoch, 16. Dezember 2020 - Sortimente
Stefanie Aue
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Frischer Haferdrink statt frischer Milch, Hafer cuisine fraîche statt Crème fraîche, Hafer cuisine statt Sahne, Hafer-Porridge statt Weizenmüsli, Hafer-Joghurt, Hafer-Brot, Hafer-Kekse – das Sortiment umfasst mittlerweile die verschiedensten Produktgruppen. Früher als Haferschleim verschrien, erlebt das Getreide heute eine neue Blütezeit. Auch die Landwirtschaft reagiert, und die Anbauflächen wachsen.

Trend oder Lifestyle ?
Doch wie weit wird dieser Trend gehen? Wird beispielsweise pflanzenbasierte Milch nun zum Mainstream? „Wir sind auf dem besten Weg dahin“, ist Helge Weitz, Geschäftsführer von Oatly Germany, optimistisch. „Wenn das Wachstum so weitergeht, wird zum Beispiel in Deutschland in zehn Jahren mehr Umsatz mit pflanzlichen Milchalternativen als mit klassischer Kuhmilch gemacht werden“, so Weitz.

Das Unternehmen bietet aus eigener Sicht schon jetzt ein breiteres Sortiment an Haferprodukten als andere Hersteller. „Man kann aus Hafer alles herstellen, was man auch aus Milch herstellen kann. Von daher wird sich unser Sortiment auf allen Märkten noch erweitern, dabei werden wir auch in neue Kategorien einsteigen“, blickt Weitz voraus.
Für Caroline Nichols, Gründerin des Münchner Unternehmens 3Bears, ist Hafer kein Trend-Food, sondern ein Lebensmittel, welches nun berechtigterweise eine Renaissance erlebt und in der Nachfrage steigt. Sie meint: „Je größer der Markt für vegane Ernährung ist, umso mehr wächst auch die Nachfrage nach Haferprodukten, als Haferflocke oder auch als Haferdrink.“

Auf dem richtigen Platz
Wo platziert wird, kommt auf das Produkt und den Händler drauf an. Für Swenja Rosenwinkel, Gründerin und Geschäftsführerin des regionalen Haferdrink-Herstellers Kornwerk, macht sowohl die Platzierung ihres Haferdrinks im veganen Sortiment als auch direkt neben der Kuhmilch Sinn. Derzeit stehe ihre Milch-alternative meist neben anderen veganen Produkten. „Allerdings könnte unser Haferdrink als frisches, regionales Produkt auch gut neben frischer, regionaler Kuhmilch in Glasflaschen im Regal stehen, um zu zeigen, dass es eine – in diesen drei Punkten: frisch, regional, plastikfrei – gleichwertige Alternative zu Kuhmilch gibt“, so Rosenwinkel.

Helge Weitz von Oatly hingegen ist sich sicher, er würde seine Haferprodukte am liebsten direkt neben den Milchprodukten platziert sehen. „Denn nur so können sie von den Konsumenten als wirkliche Alternative wahrgenommen werden – und nicht nur als Nischenprodukte für Menschen, die sich vegan ernähren beziehungsweise unter Laktoseintoleranz oder anderen Unverträglichkeiten leiden.“

Dass das durchaus sinnvoll ist, bestätigt auch eine Customer-Journey-Analyse von Alnavit, der Alnatura-Marke für vegane, gluten- und laktosefreie Produkte. Diese zeigt, dass scheinbar mehr und mehr Menschen freiwillig, auch ohne medizinische Gründe, bei Produkten zugreifen, die früher im „Frei von …“-Regal platziert worden wären. Stavroula Ekoutsidou, Leiterin bei Alnavit, empfiehlt daher, Haferartikel statt dem Allergiker-Regal den jeweiligen Warengruppen zuzuordnen.
Glas oder Karton ?

Die Frage nach der Verpackung von Haferdrinks stellt sich immer in Abhängigkeit zu den zurückgelegten Transportwegen. Getränkekartons sind leicht, müssen dafür aber nach jedem Gebrauch entsorgt werden. Mehrwegglasflaschen können bis zu 50-mal wiederverwendet werden, lohnen sich aufgrund des energiekonsumierenden Gewichts jedoch nur bei kurzen, regionalen Transportwegen. „Die meisten Firmen, die Pflanzenmilch vertreiben, tun dies deutschland-, europa- oder weltweit und rechnen somit über diese langen Transportwege“, erklärt Swenja Rosenwinkel von Kornwerk. Da ihr Unternehmen die abgefüllten Haferdrinks jedoch nur maximal 350 Kilometer von der Produktionsstätte verkauft, konnte die Verwendung von Mehrwegglasflaschen bei Kornwerk ökologisch sinnvoll umgesetzt werden.

Wenke Blumenroth, Unternehmenssprecherin von Mymuesli, hält den Getränkekarton immer noch für die beste Verpackungslösung. Der Getränkekarton schütze ihren überwiegend online verkauften Nilk-Haferdrink optimal vor Umwelteinflüssen und lässt die Milchalternativen sicher bei den Kunden ankommen. „Wir werden im Frühjahr 2021 die 1-Liter-Verpackung für Nilk umstellen und beim Tetra Pak bleiben“, sagt Blumenroth. Mit dem neuen, nachhaltigeren Modell aus „plant-based“ Kunststoffen für Verschluss und Packung steige dann der Anteil nachwachsender Materialien auf 87 Prozent und senke gleichzeitig den CO2-Ausstoß um 19 Prozent auf etwa 45 Gramm CO2 für den gesamten Lebenszyklus pro 1-Liter-Packung.