Spirituosenindustrie Nachfrage nach Spirituosen sinkt deutlich

Die Bilanz des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) für das Jahr 2025 zeigt deutlich die Herausforderungen in der Spirituosenbranche: Die Nachfrage nach Spirituosen sank in den letzten drei Jahren um 11 Prozent.

Mittwoch, 27. Mai 2026, 10:37 Uhr
Thomas Klaus
Jahr mit Licht und Schatten erwartet: Der Branchenverband BSI legte die Jahresbilanz für 2025 vor. Bildquelle: Getty Images

Geopolitische Unruhen, Handelskonflikte, weiter steigende Kosten, zunehmende Regulierung sowie Marktschwierigkeiten belasten seit Jahren die vorwiegend kleinen und mittelständischen Spirituosenbetriebe des BSI; sie hemmen Wachstum. Das zeigt die Jahresbilanz des BSI. Demzufolge sank die Nachfrage nach Spirituosen in den letzten drei Jahren um 11 Prozent.

Spirituosen bleiben eine umsatzstarke Warengruppe

Die Nachfrage nach Spirituosen im Lebensmittel-Einzelhandel (Distribution: rund 76 Prozent) zeigte sich 2025 mit erneut rückläufiger Nachfrage von rund 3 Prozent im Vorjahresvergleich bei geringerem Umsatzrückgang von rund 4 Prozent. Der Pro-Kopf-Konsum für Spirituosen ging erneut um rund 0,15 Liter beziehungsweise um 3 Prozent auf rund 4,85 Liter zurück.

Trotz des rückläufigen Marktumfeldes gehörten Spirituosen aber auch 2025 zu den umsatzstarken Warengruppen im LEH. Auch die weiteren Distributionskanäle wie Gastronomie und Fachhandel blieben mit ihrem Anteil von 24 Prozent stabil. Auf dem deutschen Markt wurden rund 654 Millionen Flaschen à 0,7 Liter angeboten.

Im Jahr 2025 kauften 61 Prozent aller Haushalte in Deutschland mindestens einmal Spirituosen ein. Das zeigt die weiterhin hohe wirtschaftliche Relevanz der Branche.

BSI-Präsident appelliert an Politik

BSI-Präsident Thomas Ernst: „Gerade in Zeiten individualisierter Konsumentenwünsche sowie wirtschaftlicher Unsicherheit und Unabwägbarkeiten kommt der Konsumentenstimmung eine besondere Bedeutung zu. Qualitätsorientierung, Markenpflege, Nachhaltigkeit und Tradition sowie Vielfalt bei gleichzeitiger Bereitschaft zu Innovationen werden auch in Zukunft Garanten für den Erfolg in der Spirituosenbranche bleiben.“

Der Präsident weiter: „Aufgrund der derzeit fragilen Wirtschaftslage, die durch Zölle sowie unvorhersehbare politische Entwicklungen und aktuell durch die diskutierte einseitige Zusatzsteuererhöhung auf Spirituosen geprägt ist – die für die Spirituosenbranche weder fiskalpolitisch noch gesundheitspolitisch sachgerecht ist – fordern die BSI-Mitglieder der ausschließlich mittelständisch geprägten Spirituosenbranche von der Bundesregierung zurückzukehren zu fairen Rahmenbedingungen, um in Zukunft wieder eine nachhaltige Wertschöpfung gewährleisten zu können. Sie plädieren dabei für Eigenverantwortung, ein faires Marktumfeld sowie vor allem Planungssicherheit und einen Abbau der Bürokratie auf ein Mindestmaß und keine weiteren zusätzlich erschwerenden Regelungen und Hemmnisse.“

Klare Spirituosen bleiben an der Spitze

Die mengenmäßig größten Marktanteile im LEH verbuchten weiterhin „klare“ Spirituosen (rund 32,8 Prozent), Liköre (rund 28,0 Prozent) und „Whisk(e)ys (rund 10,4 Prozent). Zu den Gewinnern zählten 2025 unter anderem Doppelkorn, Liköre, Weinbrand, Amaretto, Brandy, Cognac, Jagertee, Ouzo und Whisk(e)ys. Das Umsatzvolumen im Lebensmitteleinzelhandel betrug 2025 rund 4,4 Milliarden Euro (Vorjahr: 4,6 Milliarden Euro inklusive Mehrwert- und Alkoholsteuer). Dies bildet gut ein Viertel des Umsatzes aller alkoholhaltigen Getränke (Bier, Wein, Sekt und Spirituosen) im LEH ab.

Auch wenn der Anteil der alkoholfreien und alkoholreduzierten Alternativen zu Spirituosen am gesamten Spirituosenmarkt noch gering ist, zeigt sich jedoch nach Erkenntnissen des Verbandes sein deutlich wachsendes Potenzial – insbesondere durch das gestiegene Gesundheitsbewusstsein und das Konsumverhalten der Generation Z.

Gesamtmarktangebot verringerte sich um 29 Millionen Flaschen

Die Spirituosenimporte umfassten nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2025 rund 457 Millionen Flaschen à 0,7 Liter (plus 1,3 Prozent). Die Spirituosenexporte betrugen im Jahr 2025 – nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes – rund 373 Millionen Flaschen à 0,7 Liter (plus 10,0 Prozent).

Das Gesamtmarktangebot (Produktion + Import – Export) reduzierte sich – nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes und Schätzungen des BSI – im Jahr 2025 im entsprechenden Vorjahresvergleich um 29 Millionen Flaschen à 0,7 Liter beziehungsweise  um 4,3 Prozent. Die Spirituosenbranche inklusive Importeure wies 2025 eine rückläufige Umsatzentwicklung mit geschätzten 4,6 Milliarden Euro auf. Darin enthalten sind rund 2 Milliarden Euro an Alkoholsteuer auf Spirituosen. Der Konsum pro Kopf von Spirituosen lag 2025 bei rund 4,85 Liter Fertigware und verringerte sich damit um 0,15 Liter beziehungsweise um 3,0 Prozent. Im internationalen Vergleich des Spirituosen-Pro-Kopf-Konsums belegte Deutschland im Jahr 2023 Platz 57 – unter anderem hinter Südkorea, Belarus, Estland, Lettland, Bulgarien.

Anhaltender Konzentrationsprozess in der Branche

Die Mitarbeiter- und Betriebsstruktur in der Spirituosenbranche befindet sich seit Jahrzehnten in einem anhaltenden Konzentrationsprozess. Im Jahr 2025 hatte die Spirituosenbranche in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten in 55 Betrieben 3.587 Beschäftigte. Das teilt das Statistische Bundesamt mit.  Für 2026 erwartet die Spirituosenbranche erneut ein Jahr mit Licht und Schatten: Die anhaltend angespannte Entwicklung und Haushaltslage in Deutschland, geopolitische Entwicklungen, Kostensteigerungen unter anderem für  Energie, Treibstoffe und Rohstoffe sowie die neuesten Forderungen nach einer selektiven Steuererhöhung nur auf Spirituosen stellen nach Auffassung des Verbandes für die ausschließlich mittelständische Spirituosenbranche in Deutschland existenzielle Herausforderungen dar.

Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure widerspricht einer selektiven Höherbesteuerung für Spirituosen als kleinstes Segment mit rund 4 Prozent Anteil am Gesamtkonsum aller alkoholhaltigen Getränke. Spirituosen tragen aktuell bereits 70 Prozent aller Steuern. „Eine ausschließliche Spirituosen-Steuererhöhung ist als staatliche Finanzierungsquelle ungeeignet, da sie aufgrund rückläufiger Nachfrage und Substitution auf preiswertere alkoholhaltige Getränke das Steueraufkommen enorm mindert und im besten Fall zu einem fiskalischen Nullsummenspiel führt. Gemäß der aktuellen NielsenIQ-Konsummuster-Studie 2025 genießen 95 Prozent aller erwachsenen Konsumenten Spirituosen maßvoll und risikokompetent“, so Angelika Wiesgen-Pick, BSI-Geschäftsführerin.

Neue Produkte

Im Heft