Bei der Bayer AG standen die Zeichen im Glyphosatstreit zuletzt auf Entspannung. Es besteht die Möglichkeit, dass der Supreme Court mit einem Grundsatzurteil die jahrelange Prozesswelle beenden könnte. Die Aktie hatte daher stark zugelegt, um plus 73 Prozent seit Jahresbeginn.
Nun aber macht die Nachricht die Runde, dass eine zentrale Studie zur Unbedenklichkeit von Glyphosat offiziell annulliert wurde, was der Klägerseite in den USA neue Argumente liefert.
Es geht um die Studie von Williams, Kroes & Munro aus dem Jahr 2000, die seitdem als Grundlage für die Unbedenklichkeit des Herbizidwirkstoffs herangezogen wird. Nun sei sie aufgrund ethischer Mängel nicht mehr haltbar, heißt es. Angeblich sollen Monsanto-Mitarbeiter als Ghostwriter maßgeblich an ihr mitgeschrieben und Daten selektiv genutzt haben. Für die Verteidiger in den über 165.000 laufenden Verfahren ist das nun ein Problem.
Auch die US-Umweltbehörde EPA hatte sich stets auf die Studie berufen, um die Zulassung von Roundup zu rechtfertigen.
Für die Bewertung der Bayer Aktie ist dieser Vorgang von hoher Relevanz, schreibt Aktienanalyst Eduard Altmann auf „Börse Express“. Klägeranwälte dürften den Rückzug der Studie nutzen, um die Glaubwürdigkeit der gesamten Sicherheitsdatenbank von Monsanto anzugreifen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit für kostspielige Vergleiche oder negative Jury-Urteile signifikant, sagt er.
Noch präsentiere sich die Bayer Aktie charttechnisch stark und notiert weit über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 26,33 Euro. Altmann warnt jedoch, dass der formale Wegfall der Williams-Studie die Risikokalkulation im Glyphosat-Komplex zu Ungunsten des Konzerns verändere. Anleger sollten einkalkulieren, dass jede neue juristische Wasserstandsmeldung die jüngsten Kursgewinne schnell korrigieren kann, solange die Klagewelle nicht abschließend eingedämmt ist.
